Band 
Erster Band.
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trennlichsten Wechselwirkung, und hierin sehen wir eben den Grund vondem Dasein und Bestehen aller Körper. Da aber ein jeder Körper alsein eigenthümlicher besteht, so wird für diese Thatsache ein neüer Begriffnöthig, und diesen bezeichnen wir mit der Benennung Leben, in seinerallgemeinsten Bedeütung. Ein Körper lebt mithin, indem in ihm eineeigenthümliche Art der Wechselwirkung zwischen den Kräften und derMaterie Statt findet. Aus diesem Gesichtspunkte betrachtet, müssen wirdie ganze Natur als belebt ansehen, und wenn wir wol von lebendenKörpern im Gegensatz gegen unbelebte, von einer belebten Natur im Gegen-satz gegen eine leblose sprechen hören, so kann dieser Unterschied durchausnur als relativ angenommen werden, als ein Ausdruck, der gewähltwurde, um ein Leben höherer oder niederer Potenz zu bezeichnen. Soverschieden die Wirkungen sind, welche Kräfte auf die Materie ausübenkönnen, so verschiedenartig find auch die Ausdrücke des Lebens. Vondem ewig veränderlichen, stets in sichtbarer vor- oder rückschreitenderEntwickelung begriffenen lebendigen Wesen in der höhern organischenKörperwelt, das sich vor den Augen des Beobachters in tausendfacheFormen verändert, bis zu den ersten Regungen der Lebenöthätigkeit imGebiete der scheinbar beharrlichen, regungslosen Körper der unorganischenSchöpfung findet ein ununterbrochener Übergang Statt; und es lassensich wol Stufen der Vollkommenheit des Lebens unterscheiden, aber inder Natur selbst giebt es keine Gränze, welche das Gebiet des Todes, derabsoluten Ruhe, von dem des Lebens und der Thätigkeit zu trennen ver-mögt«. Allen Dingen der Körperwelt, sie mögen einer Stufe angehören,welcher sie wollen, ist ein Ausdruck gemein; ist der Ausdruck desWirkens auf unsere Sinne, den wir schon mit dem ihres Daseins ver-binden , denn Dasein und Wirken ist Eins. Der Weg, auf welchem wirKunde von den Wirkungen erlangen, welche die Körper auf uns ausüben,geht durch unsere Sinne; nur sie können uns Kunde vom Dasein derAußenwelt geben. Die eigenthümliche Art aber, wie jeder Gegenstand derKörperwelt auf unsere Sinne wirkt, nennen wir seine Eigenschaften.

Wenden wir nun die bisherigen Betrachtungen aus unsern speciellenGegenstand an, so leüchtet es ein, daß die physikalische Erdbeschreibungeine Wissenschaft ist, welche sich mit den Kräften und Eigenschaften desErdkörpers beschäftigt, oder daß sie die Lehre von den Erscheinungen desErdlebens ist, indem sie zugleich die Gesetze zu erforschen sucht, nachwelchen die Kräfte in der Materie thätig sind. Es ist wol nicht über-flüssig, daran zu erinnern, daß >vir mit der Benennung Erde einendoppelten Begriff zu verbinden pflegen.. Ein Mal verstehen wir darunter