260
des Brettes wird sie weniger bethaut, als am Schutz-Ende; weil imerster» Falle der Wind die Temperatur derjenigen der Lust nahe gleichhält. Rauhe und poröse Oberflächen, z. B. Sägespähue, Stroh rc., neh-men mehr Thau an als glatte und feste Körper, und rohe Seide undfeine Baumwolle mehr als selbst Wolle. Glas, welches ein guter Wärme-strahler ist, wird weit schneller mit Thau überzogen, als glänzende Me-talle, welche ihn in der That weniger schnell annehmen als viele andereKörper. Dieser Umstand hat zu dem seltsamen Gedanken Anlaß gegeben,daß Metalle den Thau verschlucken, vbschon sie die dichtesten unter denbekannten Körpern sind. Wenn man ein Stück Glas theilweise mit einerglänzenden Zinn-Folie und einer dünnen Silberplatte überzieht, so wird,das Ganze einem klaren Nachthimmel ausgesetzt, der unbedeckte Theil desGlases durch Strahlung schnell kalt und nimmt Flüchtigkeit an, die andenjenigen Theilen beginnt, welche vom Metall am weitesten abstehen,und sich allmälig zu diesem hin verbreitet. Eben so wird, wenn wir dieAußenseite einer Fensterscheibe mit einer Zinn-Folie überziehen, in einerhellen Nacht nur derjenige Theil der Scheibe auf der innern Seite mitFlüchtigkeit belegt, welcher nicht überzogen ist; ist aber das Metall inner-halb, so wird die aüßere Seite des bedeckten Theils der Scheibe schnellerund dichter bethaut. Im ersten: Falle bewirkt die Zinn-Folie, daß dasunter'derselben befindliche Glas seine Wärme nicht zerftreüt, und darumkann es keinen Thau empfangen; im zweiten Falle verhütet die Zinn-Folie, daß der von ihr bedeckte Theil der Scheibe den Wärme-Einfluß desZimmers annimmt, weßhalb er an der Außenseite schneller abgekühltwird, als der übrige Theil der Fensterscheibe. Wenn die Nacht, nachdemsie klar gewesen ist, wolkig wird, obwol keine Veränderung hinsichts derWindstille Statt findet, so folgt stets ein Steigen der Temperatur desGlases. In klaren Nächten fällt die Temperatur immer, aber es folgtdaraus noch nicht nothwendig, daß Thau eintreten müsse, es sei denn,die Lüft habe hinreichende Feüchtigkeit; woraus folgt, daß die Kälte nichtder Effekt von Thau sein kann. Hinsichts einer nähern Beschreibung die-ses interessanten Phänomens verweisen wir den Leser auf Wells' klassischeAbhandlung: Lssaz- on vs-rv, von dem Hörner eine deütsche Bearbeitunggeliefert hat (Zürich 1822 ), oder auf Kämtz' Lehrbuch der Meteorologie,dem wir folgende Angaben über das Vorkommen großer Mengen vonThau entlehnen: — Am haüfigsten, sagt Kämtz, findet man den Thauin den Küstenländern warmer Klimate. In Arabien ist der Thau streichlich, daß die Kleider der Reisenden davon durchnäßt werden; eben stfällt in Suakim am Rothen Meer in jeder Nacht viel Thau; bei Tor,
»