Band 
Erster Band.
Seite
395
JPEG-Download
 

besitzt, so sind es immer die Kanten, Ecken und besonders die Spitzen,durch welche das Fluidum entweicht, um den Raum, welcher es von demanziehenden Körper trennt, mit Schnelligkeit zu durchschneiden. DieserÜbergang erfolgt oft mit Geräusch und Lichterscheinung, deren Intensitätmit der Masse des Fluidums, welche fortgepflanzt wird, im Verhältnißsteht.

Das eine sowol als das andere der elektrischen Fluida geht mit mehroder minderer Geschwindigkeit durch die Körper, je nach deren Beschaffen-heit, und man giebt den Namen der guten Leiter denjenigen, welche dieElektrizität leicht fortpflanzen, wie z. B. die Metalle. Andere Körper,wie das Wasser, die Erde, das Holz und alle feuchten Körper sind eben-falls gute Leiter, obwol in minderm Grade als die Metalle; dagegenpflanzen das Glas, Harz, Schwefel, die Gase, und folglich auch dieLuft, wenn sie trocken ist, das elektrische Fluidum sehr schwer fort, undsind demzufolge schlechte Leiter.

Da alle Körper neütralisirte oder natürliche Elektricität besitzen, sokommt eS noch auf die Ursachen an, welche sie zu zersetzen und ihreEigenschaften wahrnehmbar zu machen im Stande sind. Das Reiben undselbst die entfernte Bewegung, der Druck, die Wärme, die chemischenThätigkeiten und sogar der einfache Kontakt können die beiden Arten derElektricität trennen. Es folgt daraus, daß in der Luft, welche im trocke-nen Zustande ein schlechter Leiter, aber leicht durchdringbar ist, wenn sieDampf enthält, beständig elektrische Strömungen herrschen, welche sichins Gleichgewicht zu sehen streben und diejenigen Phänomene erzeugen,welche unter den Namen Gewitter, Blitz, Donner, allgemein bekannt sind.

Über das Verhalten der atmosphärischen Elektricität im Lauf desTages hat Schübler aus den Erfahrungen, welche er bei heiterm ruhigenWetter in den Thälern des südlichen Deütschlands sammelte, sehr inter-essante Resultate gezogen, die hier nach Kämtz's Darstellung aufgenom-men werden: — Bei Sonnenaufgang ist die atmosphärische Elektricitätschwach; sie sängt langsam zu steigen an, wenn die Sonne sich mehr überden Horizont erhebt, während sich gewöhnlich zu gleicher Zeit die in dentiefern Luftschichten schwebenden Dünste vermehren. Gewöhnlich steigt dieElektricität unter diesen Umständen einige Stunden, an den länger»Sommertagen bis gegen 6^-oder 7^, im Frühling und Herbst oft bisgegen 8^ und 9^, im Winter bis gegen 10^ und 11^. Nach und nacherreicht sie ihr Maximian; gleichzeitig sind die untern Luftschichten oftsehr dunstig; die Luft nimmt an F-eüchtigkeit zu, und in der kältern Jah-reszeit tritt oft wirklicher Nebel ein. Gewöhnlich bleibt die Elektricität