Band 
Erster Band.
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dem oceanischen Wasser zu. Also ist ungefähr der dritte Theil der ge-sammten Erdstäche von der starren Erdrinde, zwei Dritttheile derselbenaber sind von der tropfbar-flüssigen Hülle eingenommen.

Erinnern wir uns des früher abgeleiteten Resultats, welches uns diemodificirte Kugelgestalt der Erde gewinnen ließ, daß nämlich einst dieErde, wie alle Planeten, sich im Zustande der Flüssigkeit oder Auflösungihrer festen Theile befunden habe, so ist es freilich von selbst klar, daßauf der Oberfläche derselben das Wasser vorwalten müsse. Indem dieflüssige Masse sich zur Kugel ballte, mußten die festen, schweren Theilesich näher um den Mittelpunkt der Gravitation (den Erdmittelpunkt) zu-sammen finden und gleichsam den Kern bilden; und wurden sie symmetrisch,d. h.: gleichartig vön allen Seiten im Raume her, von der Schwere ge-trieben, so mußte die neü entstehende feste Kugel gleichförmig von einerWasserhülle, als von der Hülle eines weniger dichten Körpers umgebenwerden, wie denn um diese sich gleichfalls koncentrisch die Hülle des amwenigsten gravitirenden Körpers, der Atmosphäre anlegen mußte. Sowäre der Zustand unseres Erdkörpers in seiner höchsten Regelmäßigkeitund abgeleitet aus den einfachen Gesetzen seiner ersten Bildung zu denken;und wenn wir daher auf der gegenwärtigen Oberfläche desselben großeMassen des festen Kerns über die Wasserfläche mit einzelnen Theilen oftweit in die Atmosphäre hineinragend finden, so dürfen wir in der Thatdiese Erscheinung, von welcher das Dasein des Menschengeschlechts unddes größten Theils der belebten Schöpfung aus den höhern Reichen ab-hängt, nur als eine Anomalie, als Störung des allgemeinen Gesetzesvvm Gleichgewicht in der Vertheilung der Materie ansehen. Eben des-halb ist auch wol in der Vertheilung des allgemeinen Gewässers auf -erOberfläche Unregelmäßigkeit ein karakteristischer Zug, denn selbst im Gro-ßen vertheilt sich die Wassermasse ungleichförmig über die Hemisphäre derErde; der südlichen kommt bei weitem das Meiste davon zu, und zwarso, daß wol wieder zwei Dritttheile von ihr dem Wasser, ein Dritteldem Festlande gehören, dessen Hauptmasse sich um den Nordpol ge-lagert hat.

In der ungleichen Größe der Wasserfläche und der Landfläche ist dieWeisheit des Schöpfers zu erkennen. Der Ocean ist es, sagt Murray,der mit den von ihm ausgehauchten Dünsten der Atmosphäre die Feuch-tigkeit liefert, welche znr Erhaltung und Erfrischung der organisirtenWesen, der Bewohner der Erde erforderlich ist. Die ganze Natur schmach-tet, wenn die Atmosphäre ihren Regen, ihren Thau versagt; die Pflanzewelkt und stirbt; dem Thiere geht die Kraft aus; und selbst der Mensch,