511
wetters wird ihre Masse so spröde, daß sie bei dem unbedeutendsten Anstoßkrachend in Stücke fällt. Oft schon, sagt Scoreöby, sah man, währendein Matrose mit der Axt auf den Eisberg schlug, um einen Anker hinein-zubringen, den Berg sich spalten und den unvorsichtigen Seemann ver-schlingen, während die Massen nach den Seiten aus einander stürzten undBoot und Mannschaft unter den Trümmern begruben. Diese Berge, sagtHans Egede, sehen aus, als sollten sie (gleich Felsen) den Zeiten trotzen,doch sind sie falsch wie das Wasser. Ost kann ein lauter Schrei, dasPlätschern der Ruder u. s. w. ganze Eisberge zum Stürzen bringen, unddie Grönländer pflegen sie daher nur schweigend und höchst vorsichtig zuumfahren. Oft auch reißen sich Eisstücke an den Rändern aus der TiefeloS, und indem sie mit Schnelligkeit aufsteigen, sind sie im Stande, diedarüber stehenden Schiffe zu erheben und umzustürzen; solche aufsteigendeStücke werden Kälber (cmlts) genannt.
In den Vertiefungen dieser Berge finden sich im Sommer kleineTeiche süßen Wassers, welche von den Seefahrern benützt werden, um sichleicht mit süßem Wasser zu versehen. Wo sie sich an den Küsten festsetzen,da wirken sie, gleich den Lauinen-Massen in den engen Alpenthälern, sehrnachtheilig auf das Klima der Umgegend ein; der Küstenstrich von Ost-Grönland ist dadurch, daß sie sich seit dem Uten, I2ten Jahrhundert dortangelegt haben, fast unbewohnbar und von aller Kommunikation ausge-schlossen worden; erst neüerlich haben der jüngere Scoresby und Graal-sie wieder aufgefunden und ihre Lage berichtigt.
Nach Scoresby läßt sich die Lage und Ausdehnung des Nordpolar-Eises in jedem Frühjahre auf folgende Weise nachweisen: indem es dieHudsons- und Bassins-Bai, so wie die Hudsons- und einen Theil derDavis-Straße erfüllt, bildet es eine unregelmäßige, aber zusammenhan-gende Linie von Neü-Foundland bis Nowa Semlja, und schließt sich dortan die Küsten der Alten Welt an, um weiter gegen Osten auch die nörd-lichen Gestade der Neuen Welt zu belagern.
Von Neü-Foundland (Lat. 50°) erstreckt sich die südliche Gränze die-ses nordischen Eisbettes in nördlicher Richtung längs der Küste von La-brador bis zur Mündung der Hudsons-Straße (Lat. 60°), wo sie sich nachNordosten wendet und in der Nähe der Grönländischen Küste (in etwaLat. 66° oder 67°) eine Bucht bildet, deren östlicher Rand die Eismassenlängs dieser Küste bis zum Kap Farewell (Lat. 60°) sind. Da an derOstseite der Davis-Straße das Eis oft in geringer Quantität liegt, sokann es vorkommen, daß der Zusammenhang der Gränzlinie unterbrochenist; ja zuweilen fehlt die in dem angeführten Parallel gemeiniglich vor-