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Bei der Rückkehr von südamerikanischen Häfen, z. B. Montevideooder Nio de Janeiro nach Europa, bleibt der Schiffer in der Nähe derKüste, um die hier herrschenden periodischen und veränderlichen Windezu benutzen. Ist der Äquator durchschnitten, so wird der Kurs nach denAzoren gesetzt, um eben so dicht neben dem Nordost-Passat zu fahren,wie man auf der Fahrt nach der südlichen Hemisphäre neben dem Süd-ost-Passat segelt. Vom Vorgebirge der guten Hoffnung kommend schifftman stets unter Begünstigung des zuletzt genannten Passates nach derInsel St. Helena, durchschneidet die Linie in etwa Long. 20° W. Grw.und fteüert ebenfalls nach den Azoren, die auf der Westseite umschifftwerden; nördlich von ihnen kommt man in die große Seestraße, welcheaus Westindien nach Eüropa führt.
Die Fahrt vom Vorgebirge der guten Hoffnung nach den KüstenIndiens richtet sich nach der Verschiedenheit der Monsune. Es giebt vierWege: l) die innere Passage; 2) die Passage östlich von Madagascar;3) die mittlere und 4) die aüßere Passage. Krusenstern beschreibt siefolgender Maßen: —
Die innere Passage ist zwischen Madagascar und der Küste vonAfrika. Man wählt diese Route, wenn man das Kap zu einer solchenJahreszeit verläßt, daß man in Indien während des S.W.Monsunsankommt. Im Jahre 1797 hat Krusenstern auf der englischen FregatteOiseau die Fahrt nach Indien auf diesem Wege gemacht. Wir verließen,sagt er, das Kap den 27. Juni, durchschnitten die Linie den 2». Juliin Long. 46'// O. von Grw., umschifften die Insel Ceylon den 2. Au-gust und ankerten in Madras den 4. August. Wir hatten folglich dieReise in 40 Tagen gemacht.
Die zweite Passage ist östlich von Madagascar. Zuerst steüert manvom Kap einen östlichen Kurs und nur so viel nördlich, als nöthig ist,um nicht früher in die Region des S.O. Passates zu kommen als inLong. 52° O. Grw. Sollte man früher den S.O. Passat erhalten, somöchte es schwer sein, nach Osten vorzurücken, besonders im Paralleldes südöstlichen Theils von Madagascar, wo die sogenannten Fort Dau-phin-Winde stark aus O.N.O. zu wehen pflegen. Nun ist der Kursganz nördlich, bis man den S.O.Passat verliert und den S.W. Monsunerhält, den man gewöhnlich etwas nördlich vom Äquator findet, undmit diesem Monsune ist es nicht mehr schwer, irgend einen Theil vonIndien zu erreichen. Diese Passage kann auch nur dann gewählt wer-den, wenn man während des S.W. Monsuns in Indien ankommt;manche Schiffe lassen sich durch die vielen Gefahren im Kanal von Mo-