Buch 
Grundriss der Physiologie des Menschen / von Dr. G. Valentin
Entstehung
Seite
155
JPEG-Download
 

155

Speisebrei.

löste Eiweiß durch die Siedhitze nicht gefällt wird, so hat dann die Leim-lösung die Fähigkeit, bei dem Gerinnen zu erkalten, gänzlich eingebüßt-Weichere leimgebende Gewebe, wie die verschiedenen Arten des Zellgewe-bes unterliegen mit Leichtigkeit dem Einflüsse der Magenverdauung.

Dichtere dagegen, wie Sehnen, Bänder oder elastische Fasern erhaltensich häufig trotz der fortgesetztesten Einwirkung. Die Grundmasse (Igs. III.

Xl.v.i>.) dünnerer Knorpelscheiben wird zuerst angegriffen. Ihre Lösungkommt im Ganzen langsamer zu Stande. Sie vergehen jedoch zuletztbis aus einen großen Theil ihrer Kerngebilde. Die Knochen verlierennur einen Theil ihrer verhältnißmäßig so beträchtlichen Mengen vonKalksalzen. Ihr Knorpel dagegen unterliegt eher dem Magensafte. Erscheint sich ähnlich, wie die bleibenden Knvrpelmassen zu verhalten.

§. 453. Wir wissen, daß sich ein Pulver rascher, als ein größererfester Körper unter sonst gleichen Verhältnissen auflöst, weil die Verthei-lung in kleine Massen die gegenseitigen Berührungsoberflächen vergrö- "vauung"ßert (tz. 31.). Man kann das Gleiche in den Verhältnissen der Ma-genverdauung wiederfinden. Dieselbe Menge geronnenen Eiweißes ver-flüssigt sich bei Weitem schneller, wenn wir sie in eine große Zahl dün-ner Blätter zerschnitten, als wenn wir sie in der Form eines umfang-reichen Würfels preis gegeben haben. Das vollständige Durchkauen derSpeisen hat daher nicht bloß den Nutzen, daß es diese mit den Mund-flüssigkeiten inniger und reichlicher vermischt, sondern daß es auch diespätere Magenverdauung beschleunigen hilft.

tz. 454. Die Magenbewegungen gewähren ebenfalls wesentliche Nutz-n »,rVortheile. Sie verkneten die oberflächlichsten Schichten mit Magensaft ^gunA'°"und schaffen sie endlich fort, damit sich das Gleiche für tiefere Lagenwiederholen kann. Da zugleich die verdünnteren, vollkommen flüssigenMassen schon im Magen aufgesogen werden, so bleiben die dichteren,welche die Wirkung des Magensaftes nöthig haben, um so reiner zurück,ungefähr wie ein Niederschlag, den wir durch das Filtriren zu sondernsuchen, späteren Auszugsmassen zugänglicher wird. Der Abgang derFlüssigkeiten gewährt noch den Nutzen, daß keine zu starke Verdünnun-gen störend eingreifen.

tz. 455. Die Beschaffenheit des Speisedreies, der in den Zwölfsin- R°,u-gerdarm zunächst übergeht, muß natürlich mit der VerschiedenheitNahrung in hohem Grade wechseln. Er bildet in der Regel eine me-chanische Mengung einer grauen gallertigen halbdurchsichtigen Masse undaller Reste, die der Magenverdauung widerstehen konnten. Jene ent-hält die aufgelösten Stoffe, die der Nebenverhältnisse wegen in die Lym-phe oder das Blut nicht mehr übergingen. Man kann daher in ihrUeberreste von Gummi, Zucker, Milchsäure, Pectin nach dem Genussevon Kartoffeln, Brot und anderer Pflanzennahrung oder von Eiweiß-und Leimkörpern nach dem der entsprechenden thierischen Speisen antreffen.

Die mechanischen Beimischungen werden aus rohen Stärkekörnern, ent-färbten einfachen, dichteren oder verholzten Zellen und Gefäßbündeln,