Die Kirche zu De ns heim an der Bergstrasse .
Tafel XIII. XIV. XV.
Bei der Erbauung dieser Kirche wurde es zur Bedingung gemacht, dass der alte,noch solide Thurm beibehalten werden sollte. Derselbe ist sehr einfach und gehörtdem Rundbogenstyle des zwölften Jahrhunderts an, mit Ausnahme eines Fensters imobersten Stockwerk, welches mit einem Spitzbogen geschlossen und später ausgeführtist. Die Kirche wurde demzufolge ebenfalls im Rundbogenstyl entworfen und ausge-führt, doch mehr in der Art der älteren Basiliken, von denen Italien so schöneMuster liefert. Der Architekt wünschte sich in den Details, wie in den Hauptformenmehr dem Antiken, als dem sogenannten Gothischen zu nähern. ‘
Die Ausführung der Säulen, Kapitale und Bogen ist von festem Sandstein, die desGewölbes über dem Chor von Backsteinen; über dem Schiffe ist wegen Mangels anGeldmitteln ein Bohlengewölbe angebracht. Die Entwürfe der Kirche sind von demHerausgeber; die Ausführung besorgte Hr. Provinzialbaumeister Opfermann; von ihmist auch der Entwurf der auf dem XV. Blatte dargestellten westlichen Hauptthüre.
Dachstuhl des Theuters zu Mainz .
Tafel XVI und XVII.
Das Theater zu Mainz , Taf. XVI. Fig. 1, 2, 3, 4, welches nach dem Entwürfe desHerausgebers ausgeführt und 1833 vollendet wurde, ist im Dache durch zwei massiveBrandmauern abgetheilt (Fig. 2. ab und cd). Ueber der Bühne ist der gewöhnlichealt-italienische Dachstuhl angewendet, ähnlich dem des Theaters zu Darmstadt . DerZuschauerplatz (das Auditorium) bildet einen Halbkreis von 130 Fuss Durchmesser,und stellt auf diese Weise die Form des Inneren auch ausserhalb treu dar. DieseAnordnung war bekanntlich bei den Theatern der Alten allgemein gebräuchlich; siehat sich auch jetzt noch als vollkommen zweckmässig bewährt. Im Inneren des Halb-kreises, 21 Fuss entfernt von der äusseren Mauer und concentrisch mit dieser, befindetsich die Mauer (e, e, e, Fig. 1»), auf welcher ein Halbkreis von Säulen aus festemSandstein ruht, worüber ein Architrav aus gebrannten Steinen mit Widerlagen vonSandstein (Taf. XVII. Fig. 6. b, b, b) construirt ist. Der mittlere freie Raum hateine zeltförmige Decke, indem diese Form in Hinsicht auf Beleuchtung und AkustikVortheile gewährt. Die Decke zwischen den Säulen und der Umfangsmauer wird durchein horizontales Gebälk gebildet. Die Umfangsmauern haben über diesem Gebälk nureine Stärke von 25 Zoll, unter demselben von 30 Zoll. Da die Verbindung des Decken-gebälkes durch die zeltartige Form des mittleren Raumes unterbrochen war, und die Um-fangsmauern bei einer Höhe von 74 Fuss über dem Boden nicht im Stande seyn konnten,den schiefen Druck der Dachflächen auszuhalten, so entstand also die Aufgabe, auf dieerwähnten Mauern und Säulen ein Dach zu construiren, welches auf die Unterstiitzungs-punkte keinen Seitendruck ausühen könnte , sondern lediglich senkrecht auf dieselbenwirken würde.
Diese Aufgabe dürfte nicht ohne Interesse seyn, weshalb der Herausgeber siedurch die Fig. 1, 2, 3, 4 so deutlich zu geben gewünscht hat, dass jeder junge Bau-künstler sich durch Lösung derselben üben kann. Die folgende Beschreibung wirddeutlich machen, wie dies hier geschehen ist.
Das Gebälk, welches auf der halbkreisförmigen Umfangsmauer f, f, f und denSäulen (über der Mauer e, e, e Fig. 1.) ruht, ist mit einem Kranze von Andreas-kreuzen, welche halb eingelassen sind (wie an dem Gebälke der katholischen Kirchezu Darmstadt ), verstärkt. Dies war um so nöthiger, als die Umfangsmauern keineandere horizontale Verbindung erhalten konnten, da im Inneren des Auditoriums dasGebälk nicht durchgeht. Auf dieser Unterlage wurde nun das Dach ausgeführt, zudessen Construktion wir nach diesen vorläufigen Bemerkungen übergehen.
1) Die Sparren Fig. 5- a, a haben eine Länge von 78 Fuss, und mussten daherausser den Endpunkten dreimal unterstützt werden, welches durch fünf horizontaleHölzer (Pfetten) b, b, b bewirkt ist.
2) Um die drei mittleren Pfetten wieder zu unterstützen und zu verbinden, sinddie langen Strebehölzer c, c, c angebracht. Zur Unterstützung dieser dienen wiederumdie kurzen Strebehölzer (schiefe Pfosten) d, d, d, welche sich unterhalb in einenkurzen Balken oder Schuh von Eichenholz (Fig. 5- h) vereinigen. *)
*) Dieser Scliuh fTaf. XVI. Fig. 5. h, Fig. 7. h und Taf. XVII. Fig. 0. a, a), welchen der Herausgeber beigrösseren Häng- und Sprengwerken, und namentlich bei Brücken, häufig anwendet, hat folgende Vortheile:Möller’* Beiträge z. d. Lehre v. d. Coustruktionen. III.