Buch 
Beiträge zu der Lehre von den Construktionen / von Georg Moller
JPEG-Download
 

Dachstuhl über dem Herzoglichen 3farstallsgebäude

zu PHiesbaden .

Tafel XXIX.

Diese Verbindung zeichnet sich durch grosse Einfachheit aus. Es ist darauf Rück-sicht genommen, dass durchaus in keinen Zapfenlöchern das eingedrungene Regen-wasser sich sammeln kann, und dass der Verband der Hölzer möglichst fest ist. Nichtunbeachtet darf gelassen werden, dass die Sparren an den Verbindungen Fig. 3. undFig. 4, wo dieselben sich mit den Pfosten und Balken kreuzen, rechtwinklich ausge-schnitten sind, wodurch das Aufschlagen derselben sehr leicht wird. Wegen desPrincips, welches dabei zu Grunde gelegt ist, verweise ich auf dasjenige, was gele-gentlich der Beschreihung der Blätter XI und XII der mittelalterlichen Holzconstruc-tionen gesagt worden, und auf die Vergleichung der Letztem mit dem des 17. Jahr-hunderts, als deren Repräsentant der Dachstuhl der Jesuitenkirche zu Coblenz abge-bildet ist.

Die Brücke zu Seeheim .

Tafel XXX.

Dieselbe überdeckt zwar nur einen tiefen Hohlweg, der für Holzfuhren und alsViehtrieb dient, inzwischen wird aus dieser Abbildung das Princip, worauf dieseBrücke beruhet, hinlänglich beurtheilt werden können.

Der Grundsatz, dem Regenwasser keinen Aufenthalt zu geben und der Luft allent-halben Zutritt zu verschaffen, ist auch hier beobachtet. Die Fahrbahn ist durch dreiGebinde unterstützt, deren Strebepfosten unten auf kurzen Holzstücken ruhen, welchewir Schuhe nennen wollen. Ueber die Vortheile der Letzteren bei Dachconstructionen,ist bereits gelegentlich des Dachstuhls auf dem Theater zu Mainz (s. diese Taf.) dieRede gewesen, es wird also hier nur nöthig sein, in Hinsicht auf Briickenconstiuc-tionen das Erforderliche zu sagen.

Gewöhnlich werden die hölzernen Streben in die steinernen Widerlagen der Brückeeingelassen, zu welchem Ende, wenn diese von gehauenen Steinen sind, eine Vertie-fung zu ihrer Aufnahme ausgehauen wird. Dass dieses Verfahren fast allgemein ein-geführt, kann für die Richtigkeit derselben Nichts beweisen, so wenig als z. B. dieAufschieblinge der Dächer sich rechtfertigen lassen, die ebenso allgemein waren, undwelche jetzt kein guter Constructeur mehr ausführt.

Die Nachtheile dieser Construction sind folgende:

Das Regenwasser läuft an den Strebezapfen hinab, und da das Holz dem Ein-trocknen unterworfen ist, mithin die Vertiefung im Stein niemals sich dem Holz festanschliesst, so setzt sich dasselbe in diese Vertiefung, wodurch also das Hirnholzhäufig nass wird und nur schwer trocknet, indem sich das Wasser in den Fasern desHirnholzes in die Höhe zieht. Die Erfahrung bestätigt dies vollkommen , indem allePfosten, welche auf Stein ruhen, an dem unteren Ende zuerst schadhaft werden.

Um diesem Uebel vorzubeugen, darf man also die Strebepfosten mit der unterenSeite nicht unmittelbar auf dem Stein ruhen zu lassen, sondern man muss Stücke vonEichenholz (Schuhe) unterlegen, auf welchen die Streben ruhen, und welche, magnun die Befestigung derselben entweder durch blosse Versetzung oder durch Zapfengeschehen, durchlocht sein müssen, um das abfliessende Regenwasser durchzulassen.Zu diesen Unterlagen müssen übrigens ganz ausgetrocknete und feste Hölzer ausge-

Mollkhs Ueiträge z. <1. Lehre v. il. Coiistriirtioiien. VI.