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POMPEJISCHE ORNAMENTE.
Die allgemeine Anordnung der Verzierung an den innem Wänden pompejischer Häuser besteht auseiner Würfel-Vertäfelung, die etwa den sechsten Theil der Wandeshöhe einnimmt und breite Pilaster trägt,etwa halb so breit als der Würfel selbst, mittelst welcher die Wand in drei oder mehr Felder abgetheiltwird. Die Pilaster sind mittelst eines Frieses von verschiedenerBreite mit einander verbunden, der in der Entfernung des vier-ten Theiles der Gesammthöhe der Wand von der Decke hinläuft.
Der obere Theil der Mauer ist häufig weiss, und in jedem Fallein einer minder ernsthaften Auffassungsweise behandelt als dieuntern Theile, indem er meistens Scenen unter freiem Himmelvorstellt, und auf dem Grunde die gemalten Darstellungenjener fantastisch architektonischen Gebäude enthält, die denZorn des Vitruvius in so hohem Grade erregten. In den bestenMustern findet man eine Abstufung der Farben von der Decke
° Abriss der Seite eines pompejischen Hauses.
abwärts, die endlich im Würfel in Schwarz ausgeht, doch ist
das durchaus keine feste Kegel. Wir wollen hier einige, unter den colorirten Illustrationen Zahn’s ausge-wählte Varietäten anführen, um zu zeigen, wie wenig System in der Ordnung der Farben herrschte: — *
Würfel.
Pilaster.
Gelb
Grün
Roth
Roth
Schwarz
Gelb
Schwarz
Gelb
Blau
Gelb
Blau
Gelb
Schwarz
Grün
Schwarz
Grau
Schwarz
Schwarz
Felder.
Fries.
Roth
Schwarz
Schwarz
Purpur
Schwarz
Roth
Grün
Grün
Grün
Grün
Blau
Blau
Gelb und Roth
Weiss
(abwechselnd)
Gelb und Roth
Schwarz
(abwechselnd)Grün und Roth
Weiss
(abwechselnd)
Die effectreichste Anordnung scheint folgende zu sein: Würfel schwarz, Pilaster und Fries roth, dieFelder gelb, blau oder weiss, der obere Wandtheil über dem Fries weiss mit farbigen Verzierungen dar-auf. Die beste Anordnung der Farben zu den auf der Grundfarbe angebrachten Ornamenten ist: aufschwarzem Grund, Grün und Blau in Massen, aber Roth nur spärlich und Gelb noch spärlicher. Aufblauem Grund, Weiss in dünnen Linien und Gelb in Massen. Auf rothem Grund, Grün, Weiss und Blauin dünnen Linien; Gelb auf Roth ist effectlos, wenn es nicht mittelst Schattirungen hervorgehoben wird.
Man findet in Pompeji beinahe jede Varietät der Schattirung und des Tones der Farben. Blau, Rothund Gold finden sich nicht nur in kleinen Quantitäten an den Verzierungen, sondern auch in grossen Massenals Grundfarben der Felder und der Pilaster. Doch kommt das Gelb zu Pompeji fast dem Orangenahe, und das Roth hat einen starken Anstrich von Blau. Dieser neutrale Charakter der Farben machte es,dass sie in so heftigem Widersatz ohne Misston zusammengestellt werden konnten, — ein Resultat, welchesdurch die umher angebrachten secundären und tertiären Farben noch weiter befördert ward.
Doch ist der Styl der Verzierungen im Ganzen so launenhaft, dass er ganz ausser dem Bereich derwahren Kunst liegt, und daher auch keine strenge Kritik darauf anwendbar wäre. Es ist ein Styl, der zwarmeistens einen gefälligen Eindruck hervorbringt, aber oft an Gemeinheit grenzt, wenn er nicht absolut40