VI
Wenn gleich Preußens Herrschern schon früh dieIdee zu einer allgemeinen Wehrverfassung vorgeschwebthatte, und Friedrich der Große die Möglichkeit der Ein-führung zum Theil zeigte, so scheiterte dennoch diegänzliche Durchführung dieses Systems an schwer zubeseitigenden Hindernissen, bis der Freiheitskampf und„der Aufruf an mein Volk" das Nationalgefühlerhob und steigerte, so daß dies großartige Werk schnellder Reife entgegengeführt wurde, und nach Beendigungjenes glorreichen Kampfes, durch Erfahrungen unter-stützt, seine jetzige Gestalt und Vollendung erhielt.
Preußen kann nicht allein in einer außerordentlichkurzen Zeit seine Mobilmachung vollenden, indem alleBedürfnisse und Erfordernisse, als Geldmittel, Waffen,Bekleidung, Verpflegung und Pferde w. im Vorausberücksichtigt sind, sondern es besitzt auch ein Ergän-zungssystem , was sein Aufhören erst in dem letztenwaffenfähigen Staatsbürger findet, und dabei so orga-nisirt ist, daß kein anderer Staat Europas an Aus-dehnung etwas Aehnliches auszuweisen hat, da jedeMilitairvertretung ausgeschlossen ist.
Durch alle im Voraus bedachte und geordneteVerhältnisse wird Preußen bei einem ausbrechendenKriege weniger wie jeder andere Staat erschüttert,wahrend die Schnelligkeit, mit welcher eine Mobil-machung möglich wird, den äußersten und spätestenTermin abzuwarten gestattet, da das wohlorganisirteErganzungssystem ebenso leicht eine Verminderung wieVergrößerung der Armee zulaßt.
Preußens stehendes Heer bildet nur eine militai-rische Biidungsschule, in der die Osficicre und Unter-officiere die Lehrer sind, und die jeder Militairtaug-liche durchwandern muß; die so im stehenden Heere