Buch 
10 (1837) Strategische Beleuchtung mehrerer Feldzüge von Sobiesky, Münich, Friedrich dem Grossen und dem Herzog Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig und andere historische Materialien zur Strategie : hinterlassene Werke / des Carl von Clausewitz
Entstehung
Seite
98
JPEG-Download
 

98

Daß Daun dm König bis Königin-Grätz mit seinen4000 Wagen entkommen ließ, war der zweite große Aktder Unthätigkeit, wenn man. uns diesen Ausdruck erlaubenwill; wir haben davon schon gesprochen. Dieser erste Theildes Feldzugs indessen kann noch in die allgemeine Vorstel-lung eingehüllt werden, daß Daun die Ankunft der Rus-sen in der Mark abwarten wollte, wodurch die Consequenzwenigstens für den philisterhaften Standpunkt gerettet wird.Aber nun kommt der dritte große Akt der Unthätigkeit;die Russen kommen an, der König marschirt ab, bleibtvier Wochen weg, und diese vier Wochen läßt Daun wie-der verstreichen, denn die unbedeutende Diverston Laudonsdurch die Nieder-Lausitz ist kaum nennenswerth, und dievielen unausgeführten Disposttionen und Verabredungenmit dem Herzog von Zweibrücken können nicht in die Reiheder Handlungen gesetzt werden. Daun und die Reichs-armee müssen wenigstens 100,000 Mann stark gewesensein; und der Prinz Heinrich war 20,000, der Mark-graf Carl freilich vielleicht 30,000 Mann, allein diese ka-men erst später, nämlich den 24. August heran, und dannnoch nicht weit genug, nämlich nur bis Löwenberg. Rech-net man, daß Daun 10,000 Mann durch die Nieder -Lausitz hatte gehen lassen, und 20,000 Mann bei Görlitzlassm mußte, um seine rechte Flanke zu decken, so bliebenihm inclusive der Reichöarmee 70,000 Mann übrig, umden Prinzen Heinrich zu erdrücken. Und das ist ihmnicht genug.

Nachdem der König zurückgekommen, war es freilichnur conséquent nichts zu thun, denn wenn er sich vorhernicht stark genug gefühlt hatte, so wäre es die zweite Po-tenz der Jnconftquenz gewesen, nun etwas zu wagen; ohne-hin hatte sich durch die heranrückende Belagerung von Neisse