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Mit dem Namen der Charakterstärke, oder überhauptdes Charakters, bezeichnet man das feste Halten an seinerÜberzeugung, sie mag nun das Resultat fremder oder eig-ner Einsicht sein, und mag sie Grundsätzen, Ansichten, au-genblicklichen Eingebungen, oder was immer für Ergebnis-sen des Verstandes angehören. Aber diese Festigkeitkann sich freilich nicht kund thun, wenn die Einsichten selbsthäufigem Wechsel unterliegen. Dieser häufige Wechselbraucht nicht die Folge fremden Einflusses zu sein, sondern erkann aus der eigenen fortwirkenden Thätigkeit des Verstan-des hervorgehen, deutet dann aber freilich auf eine eigen-thümliche Unsicherheit desselben. Offenbar wird man voneinem Menschen, der seine Ansicht alle Augenblicke ändert,wie sehr dies auch aus ihm selbst hervorgehen mag, nicht sa-gen: er hat Charakter. Man bezeichnet also nur solcheMenschen mit dieser Eigenschaft, deren Überzeugung sehrkonstant ist, entweder weil sie tief begründet und klar,an sich zu einer Veränderung wenig geeignet ist, oder weiles, wie bei indolenten Menschen, an Verstandesthätigkeitund damit an dem Grund zur Veränderung fehlt, oderendlich, weil ein ausdrücklicher Akt des Willens, auseinem gesetzgebenden Grundsatz des Verstandes entsprun-gen, den Wechsel der Meinungen bis auf einen gewissenGrad zurückweist.
Nun liegen im Kriege, in den zahlreichen und star-ken Eindrücken, welche das Gemüth erhält, und in der Un-sicherheit alles Wissens und aller Einsicht, mehr Veranlas-sungen, den Menschen von seiner angefangenen Bahn ab-zudrängen, ihn an sich und Andern irre zu machen, als diesin irgend einer andern menschlichen Thätigkeit vorkommt.
Der herzzerreißende Anblick von Gefahren und Leidenläßt das Gefühl leicht ein Übergewicht über die Verstatt-