Band 
Erster Theil.
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standesüberzcugung gewinnen, und in dem Dämmerlichtaller Erscheinungen ist eine tiefe klare Einsicht so schwer,daß der Wechsel derselben begreiflicher und verzeihlicher wird.Es ist immer nur ein Ahnen und Herausfühlen der Wahr-heit, nach welcher gehandelt werden muß. Darum ist nir-gends die Meinungsverschiedenheit so groß als im Kriege,und der Strom der Eindrücke gegen die eigene Überzeu-gung hört nie auf. Selbst das größte Phlegma des Ver-standes kann kaum dagegen schützen, weil die Eindrücke zustark und lebhaft, und immer zugleich gegen das Gemüthmit gerichtet sind.

Nur die allgemeinen Grundsätze und Ansichten, welchedas Handeln von einem höhern Standpunkt aus leiten,können die Frucht einer klaren und tiefen Einsicht sein,und an ihnen liegt, so zu sagen, die Meinung über denvorliegenden, individuellen Fall, gewissermaßen vor Anker.Aber das Halten an diesen Resultaten eines frühern Nach-denkens gegen den Strom der Meinungen und Erscheinun-gen, welchen die Gegenwart herbeiführt, ist eben die Schwie-rigkeit. Zwischen dem individuellen Fall und dem Grund-satz ist oft ein weiter Raum, der sich nicht immer aneiner sichtbaren Kette von Schlüssen durchziehen läßt, undwo ein gewisser Glaube an sich selbst nothwendig ist, undein gewisser Skeptizismus wohlthätig. Hier hilft oft nichtsAnderes als ein gesetzgebender Grundsatz, der, außer dasDenken selbst gestellt, dasselbe beherrscht; eö ist der Grund-satz, bei allen zweifelhaften Fällen bei seiner erstenMeinung zu beharren, und nicht eher zu weichen,bis eine klare Überzeugung dazu zwingt. Manmuß stark sein in dem Glauben an die bessere Wahrheitwohlgeprüfter Grundsätze, und bei der Lebhaftigkeitder augenblicklichen Erscheinungen nicht vergessen, daß ihre