Band 
Erster Theil.
Seite
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Wahrheit von einem geringern Gepräge ist. Durch die-ses Vorrecht/ welches wir in zweifelhaften Fallen unsererfrühern Überzeugung geben, durch dieses Beharren bei der-selben, gewinnt das Handeln diejenige Stätigkeit und Folge,die man Charakter nennt.

Wie sehr das Gleichgewicht des Gemüths die Cha-rakterstärke befördert, ist leicht einzusehen, daher auch Men-schen von großer Scclenstärke meistens viel Charakterhaben.

Die Charakterstärke führt uns zu einer Abart der-selben, dem Eigensinn.

Sehr schwer ist es oft, im konkreten Falle zu sagen,wo die eine aufhört und der andere anfängt, dagegenscheint es nicht schwer, den Unterschied im Begriffe fest-zustellen.

Eigensinn ist kein Fehler des Verstandes; wirbezeichnen damit das Widerstreben gegen bessere Einsicht,und dieses kann nicht ohne Widerspruch in dem Verstand,als dem Vermögen der Einsicht, gesetzt werden. Der Eigen-sinn ist ein Fehler des Gemüths. Diese Unbeugsam-keit des Willens, diese Reizbarkeit gegen fremde Einredehaben ihren Grund nur in einer besondern Art von Selbst-sucht, welche höher als alles Andere das Vergnügenstellt, über sich und Andere nur mit eigener Gei-stesthätigkeit zu gebieten. Wir würden es eine ArtEitelkeit nennen, wenn es nicht allerdings etwas Bessereswäre; der Eitelkeit genügt der Schein, der Eigensinn aberberuhet auf dem Vergnügen an der Sache.

Wir sagen also: die Charakterstärke wird zum Eigen-sinn, sobald das Widerstreben gegen fremde Einsicht nichtaus besserer Überzeugung, nicht aus Vertrauen auf einenhöbcrn Grundsatz, sondern aus einem widerstrebenden