Die Theorie soll eine Betrachtung und keine Lehre sein.
Der zweite Ausweg für die Möglichkeit einer Theorieist der Gesichtspunkt/ daß sie nicht nothwendig eine posi-tive Lehre/ d. i./ eine Anweisung zum Handeln/ zu seinbraucht. Überall/ wo eine Thätigkeit es größtcntheils im-mer wieder mit denselben Dingen zu thun hat/ mit den-selben Zwecken und Mitteln, wenn auch mit kleinen Ver-änderungen/ und einer noch so großen Mannichfaltigkeitder Kombinationen: müssen diese Dinge ein Gegenstandvernünftiger Betrachtung werden können. Eine solcheBetrachtung aber ist eben der wesentlichste Theil jederTheorie, und hat auf diesen Namen ganz eigentlich An-spruch. Sie ist eine analytische Untersuchung des Gegen-standes, führt zu einer genauen Bekanntschaft, undwenn sie auf die Erfahrung, also in unserm Fall auf dieKriegsgeschichte, angewendet wird, zur Vertrautheit mitdemselben. Je mehr sie diesen letzten Zweck erreicht, umso mehr geht sie aus der objektiven Gestalt eines Wissensin die subjektive eines Könnens über, und um so mehrwird sie sich also auch da wirksam zeigen, wo die Naturder Sache keine andere Entscheidung als die des Talentszulaßt; sie wird in ihm selbst wirksam werden. Unter-sucht die Theorie die Gegenstände, welche den Krieg aus-machen, unterscheidet sie schärfer was auf den ersten Blickzusammen zu stießen scheint; giebt sie die Eigenschaftender Mittel vollständig an, zeigt sie die wahrscheinlichenWirkungen derselben, bestimmt sie klar die Natur derZwecke, trägt sie überall das Licht einer verweilenden kri-tischen Betrachtung in das Feld des Krieges: so hat sieden Hauptgegcnstand ihrer Aufgabe erfüllt. Sie wirddann demjenigen ein Führer, der sich aus Büchern mit dem
Kriege