Band 
[Band 1.]
Seite
46
JPEG-Download
 

m

ihren eigenen Streitkräften zu überlassen. Zwei derselben, Custines und Dumou-riez, hatten sich einen großen Namen erworben: der erstere durch die Einnahmevon Mainz und seinen Einfall in Deutschland; der zweite durch die rühmlicheVertheidigung der Argonnen und die Eroberung von Belgien. Beide waren jedochden Leidenschaften jener Zeit fremd. Custines hatte keinen politischen Charakter,und Dumouriez war, weniger aus Ueberzeugung, als aus einem widerstrebendenGefühle gegen die Gegenparthei, mit den Girondisten enge verbunden. SeineAnhänglichkeit an die Revolution hatte ihre Grenzen, und die inneren Zerwürfnisseregten düstere Vorempfindungen in ihm auf, welche seine Seelenkräfte schwächten.

Ueberdies wurden die bisher nicht gehörig gesicherten militärischen Stellungenin dieser Zeit gefährlich. Custines ward über Trier, Coblenz und Luxemburg,Dumouriez durch Maestricht und die Plätze des holländischen Brabant im Rückenbedroht. Der letztere faßte jedoch mit der ihm eigenen Schnelligkeit einen kühnenPlan, dessen Gelingen seine Operationen gesichert haben würde, indem er denHauptaccent auf seine linke Flanke legte und eine Diversion gegen den rechtenFlügel der Verbündeten machte. Dieser Plan bestand darin, die Revolution nachHolland zu tragen und dem Volke die höchste Gewalt zurückzugeben, welche diePreußen dem Erbstatthalter übertragen hatten. Die active Armee zahlte 75 bis80,000 Mann; 60,000 Mann stellte er unter Valence, welcher Lille und Namurbesetzte, zwischen der Maas und der Roer, und unter Miranda auf, welchemer Maestricht nachdrücklich zu belagern befahl. Er selbst fiel mit 15—20,000 Mannin das holländische Brabant ein. Diese zwischen der Scheide und Maas gelegeneProvinz ist durch Festungen gedeckt, welche nebst den zahlreichen, das Landdurchschneidenden Gcwäsiern, die Hauptvertheidigung desselben bilden. Der fran-zösische Obergeneral griff sie alle gleichzeitig an. Sie waren mit eben so starkenBesatzungen versehen, als die Truppenabthcilungen, welche vor ihren Thoren er-schienen. Allein die Bevölkerung, aufgeregt durch einen zu Antwerpen eingesetztenRevolutions - Ausschuß, zeigte allenthalben eine drohende Stimmung, und dieCommandanten, getauscht über die Zahl der Angreifer, welche Dumouriez aufgeschickte Weise zu verheimlichen wußte, ergaben sich größtentheils bei den erstenCanonenschüssen. Breda, Gertruydenbnrg und das Fort Klundert capitulirten.Willcmstadt und Bergen op Zoom schienen nur einen kurzen Widerstand leisten zuwollen, und schon rüsteten die Franzosen eine Flottille zur Ueberschreitung derunteren Scheide aus, um in das Herz von Holland einzudringen, als die Nach-richt eintraf, daß die Kaiserlichen siegreich die Offensive ergriffen hatten.

Ihre 70,000 Mann starke Armee rückte unter der Führung des Prinzen vonCoburg, unter welchem der Erzherzog Carl, der Feldmarschall-Licutenant Prinz vonWürtemberg und die Generale Latour und Clerfayt dienten, gegen die Roer vor.Unversehens fielen sie über die französischen Cantonirungen an diesem Flusse her,nahmen die Stellungen bei Aldenhoven und Eschweiler weg, besetzten Aachenund warfen die französischen Divisionen in Unordnung gegen die Maas zurück.Dumouriez hatte sich über den Werth seiner Stellvertreter getäuscht. Dem PeruanerMiranda, den seine politische Exaltation zu den höchsten militärischen Graden