189
erforderte aber mehrere Stunden Zeit, und die Hoffnung des Obergenerals, dochnoch durchzudringen, ließ ihn einen neuen Sturm anordnen. Als auch dieserfehlschlug, stellte er sich selbst, eine Fahne in der Hand, an die Spitze der Gre-nadiere und drang bis auf die Brücke; allein das verheerende Feuer schrecktewieder Alles zurück. Die Colonne wendete sich zur Flucht und gerieth in immergrößere Verwirrung, als die Oesterreicher ihr lebhaft folgte. In diesem Gewirreward Bonaparte, der bisher fast wunderbarer Weise unverletzt blieb, von demDamme herab in den Morast gestürzt, und die Feinde waren schon 50 Schritteüber den Ort hinaus, wo er hülflos da lag, als die Grenadiere zu seiner Ret-tung aufgefordert, umkehrten und ihn glücklich der Gefangenschaft entzogen.
Das Gefecht hatte hier bereits diese Wendung genommen, als Guyeu amspäten Nachmittage bei Albaredo mittelst einer Fähre übergieng, und gegen 7 Uhrbei Arcole erschien. Sein erster Angriff ward abgeschlagen; während aber dieOesterreicher den Weichenden folgten, umgieng eine französische Abtheilung dasDorf und drang von der andern Seite ein. Die Oesterreicher räumten es undgiengen mit Verlust eines Geschützes und mehrerer Gefangenen nach Sän Boni-facio zurück.
Massen« war inzwischen so langsam vorgerückt, daß die Spitze seiner Colonneschon bei Bionde auf ein Regiment der zuerst gegen ihn gesendeten Brigade stieß,von dem sie im ersten Anfalle über den Hausen geworfen und bis Zerpa verfolgtward. Allein hier erhielt das Gefecht durch einen Zufall plötzlich eine andereWendung.
Ein Croaten-Bataillon der zweiten Brigade war von Gombione aus überla Borä an das linke Etschufer gesendet worden, um, dem dortigen Damme fol-gend, theils das rechte Ufer zu beobachten, theils die linke Flanke der Republi-kaner zu gewinnen, wenn sie über Bionde hinaus vorrücken würden; es trafjetzt unterhalb dieses Dorfes ein, und begann plötzlich ein lebhaftes Feuer. VieleKugeln schlugen in das zwischen Bionde und Zerpa fechtende Regiment, wel-ches, einen Angriff im Rücken voraussetzend, in Unordnung gerieth, nach Biondezurückstürzte, und als Massen« rasch nachdrang, bis Porcile wich. Die Fran-zosen folgten bis in die Nähe dieses Dorfes und wurden gegen Abend von demwieder gesammelten Regkmente gegen Bionde zurückgedrängt, wo die einbrechendeDunkelheit das Gefecht beendete.
Alvinzy, jetzt vollkommen über die Absicht seines Gegners aufgeklärt, beschloß,am nächsten Morgen selbst zum Angriffe überzugehen, welchen Provera mit 6Bataillonen und 2 Schwadronen von Bionde aus, Mittrowsky mit 14 Bataillo-nen und 2 Schwadronen bei Arcole beginnen sollte, um sich im günstigsten Fallebei Ronco zu vereinigen; gelang es, die Republikaner ganz über die Etsch zuwerfen, so beabsichtigte der Feldzeugmeister, seinem frühern Plane gemäß, dieEtsch bei Zevio zu überschreiten.
Noch vor 9 Uhr Abends erhielt Bonaparte die Meldung, daß Guyeu im Be-sitze von Arcole sey. Nichts destoweniger ließ er, wahrscheinlich aus Besorgnißeines nächtlichen Uebersallcs und um Verona näher zu seyn, seine beiden Divi-