Band 
[Band 1.]
Seite
203
JPEG-Download
 

203

Bonaparte vereitelte diese Absicht, indem er mittelst einer jener großen Com-binationen, deren Geheimniß ihm verliehen war, die Initiative ergriff; der gan-zen Armee ward ein allgemeines Vorrücken vorgeschrieben, so daß wahrend dasCentrum in Kärnthen eindrang, die andern Divisionen sich links und rechts die-sem Kern anschließen sollten, um in Masse die carnischen und uorischen Alpenzu übersteigen und in das Donau-Thal hinabzurückeu.

Maffcna ward beauftragt, die kaiserlichen Posten bis Tarvis zurückzudrängenund sich dort festzusetzen, während Joubert links, Bonaparte rechts sich in Be-wegung setzten, um mit Gewalt in Tirol und Krain einzudringen, die Seiten-Communikationen, welche diese beiden Provinzen mit Kärnthen verbinden, frei zumachen, und sich hierauf gegen Massen« zu wenden. Kilmaine blieb mit denDepots im Mailändischen, um die Venetianer zu beobachten und den Rücken zudecken.

Dieser Plan gelang auf allen Punkten; Massen« (15,000 Mann) warfden Feind bei Belluno, bei Cadore, umgieng die Piave und bemächtigte sichder Pässe von Ponteba und Tarvis; zu gleicher Zeit vertrieb Joubert (zweiDivisionen, 18,000 Mann) die Generale London und Kerpen aus Tirol, schlugsie bei Sän Michele, bei Clausen und Mittenwald und ebenso die Verstärkun-gen, welche allmählig anlangten, warf London bis an die Quellen der Etsch,und Kerpen über den Brenner zurück, worauf er bei Briren die Straße nachJnsbruck verließ, und über Lienz nach Villach marschirte. Bonaparte endlich(27,000 Mann, 3 Divisionen Guyeu, Serrurier, Bernadotte) drängte denErzherzog zurück, überschritt die Piave ohne auf Widerstand zu stoßen und ent-wickelte seine 3 Divisionen am Tagliamento, wo der Feind ihm den Uebergangzu verwehren suchte. Bernadotte war der erste, der diesen Fluß unter dem Aus-rufe überschritt: '/Soldaten der Sambre- und Maasarmee! die italienische Armeebeobachtet euch!" Vergeblich waren die Anstrengungen der Kaiserlichen, den Auf-marsch der Franzosen auf dem linken Ufer zu stören, die ganze Armee entwickeltesich jenseits und rückte bis Palma -nova vor.

Der Erzherzog, um diesem Vormärsche, dessen Folgen von größter Wichtigkeitwaren, Einhalt zu thun, ordnete eine Bewegung gegen Massen« an. Bayalich er-hielt Befehl, durch das Jsonzo-Thal hinauf den Paß von Tarvis zu gewinnen,er selbst, nachdem er eine Division zur Vertheidigung von Krain zurückgelassen,marschirte über Laybach nach Klagenfurt, von wo er sich gleichfalls nach Tarviswendete. Jetzt ist der entscheidende Augenblick gekommen. Der französische Ober-general muß sich entweder in seinen Stellungen, welche den Schlüssel der ganzenOperation bilden, behaupten, oder er wird zwischen zwei Feuer genommen.

Der Erzherzog eröffnet den Angriff; es gelingt ihm, sich des Passes von Tar-vis zu bemächtigen, vor der Stadt nimmt er Stellung, und erwartet BayalichsAnkunft. Aber Massena läßt ihm keine Zeit, sich hier festzusetzen; er fällt diekaiserliche Linie mit Ungestüm an und sprengt sie nach einem heftigen Treffen,in welchem beide Gegner persönlich die Truppen führten.