Wallis besetzt hielt, endlich aus Truppen aller Waffen, welche in aller Stilleaus dem Innern Frankreichs nach den Ufern des Genfer-Sees din'girt wurden.
Französische Ingenieure hatten alle Alpenübergänge untersucht und hier-auf war der Plan festgesetzt worden, die beiden Divisionen des rechten Flügelsüber den Mont-Gönevre, den Mont-Cenis und den kleinen St. Bernhard zusenden; der linke Flügel sollte unter Moncey über den Simplon und den St.Gotthardt ziehen; das Centrum endlich die Gipfel des großen St. Bernhardübersteigen.
Hauptsächlich durch diese mittlere Colonne hoffte man die Oesterrer'cher zuüberraschen; das Thal von Aosta war nur schwach besetzt. Die österreichischenGenerale waren der Meinung, 3000 Mann bei Chatillon aufgestellt und an dasFort von Bardo gelehnt, würden hinreichen, den Paß über den kleinen St. Bern-hard zu sperren. Ein Zug über den großen St. Bernhard lag außer aller Be-rechnung. Drei Stunden Weges über Eis und ewigen Schnee; ein durch Felsenunterbrochener Fußsteig, entlang einem furchtbaren, stets von Lawinen bedrohtenAbhänge, schien diesen Weg einer mit Artillerie und Gepäcke versehenen Armeefür immer unzugänglich zu machen. Allein die Geschicklichkcit der Ingenieureund Artilleristen hatten für Alles gesorgt: Man hatte Baumstämme ausgehöhlt,um die Geschützröhrcn darin weiter zu schaffen; Tragbahren waren vorbereitet, umLafetten und Munitionswagen, in einzelne Stücke zerlegt, zu transportircn. So-bald diese Vorbereitungen beendigt waren, begab sich Bonaparte nach Genf, woer den 8ten Mai eintraf. Mit Freuden vernahm er hier, daß der Uebergang nichtunmöglich sey und ertheilte der ganzen Linie Befehl, sich in Bewegung zu setzen.
Die am Genfer-See zusammengezogenen Truppen erhielten folgende Organi-sation: Vorhut, unter Lannes: 2 Infanterie-, i Reiter-Brigade; erstes Corps,General Duhcsme, die Divisionen Loison und Boudet, nebst 2 Jägerschwadronen;zweites Corps, General Victor, die Division Chambarlhac und Chabran, nebst1 Cavalerie-Regiment und 1 Schwadron; Reserve-Reiterei, General Murat; 5 Re-gimenter schwere, 3 Regimenter leichte Reiterei, endlich die italienische Legion Lecchi.
Diese Streitmasse, welche mit Ausnahme Chabran's, der sich bereits auf demkleinen St. Bernhard befand, gegen 35,000 Mann zählte, senkte sich in dasWalliser Land. Lannes, der den Marsch eröffnete, schlug von St. Pierre ausden Eispfad ein, der auf den Gipfel des großen St. Bernhard führte. Sämmt-liche Fahrzeuge waren auseinander gelegt, der Soldat spannte sich fröhlich vordie Schlitten, auf welchen sie geladen waren und unter kriegerischer Musik undTrommelschlag ward der steile Abhang erklommen. Nach Verlauf von 8 Stun-den gelangte man an das Hospital, wo Halt gemacht wurde. Die Geistlichentheilten jedem Soldaten bereitwillig Lebensmittel und eine starke Portion Weinaus, worauf man den Marsch fortsetzte und den Gipfel des Berges erreichte.Man fuhr auf Bergschlitten den Südabhang hinab, dessen Fall minder steil ist.Mit denjenigen, welche zuerst unten anlangten, nahm man Aosta und setzte sichdarin fest; alles dies geschah in wenigen Stunden. Unterdessen dauerte der Ueber-gang während 4 Tagen ununterbrochen fort; nach Maßgabe, als man den fahr-