baren Weg erreichte, wurden die Fahrzeuge wieder zusammengesetzt, die Geschütz-rohren auf die Lasteten gelegt und die Truppen wieder in Reih und Glied ge-ordnet. Am 19ten war Lannes im Stande, den feindlichen Posten bei Chatillonanzugreifen, ihn über den Hausen zu werfen und ihn bis in die kleine StadtBardo zurückzudrängen. An demselben Tage verließ Bonaparte Lausanne; amfolgenden Tage gieng er über den großen Bernhard und nahm sein Hauptquar-tier zu Aosta. Zu derselben Zeit ward die Armee aufgehalten durch das Fortvon Bardo, das, auf senkrechten Felsen erbaut, das Thal sperrt und keinen an-dern Ausweg gestattet, als durch die Stadt, deren Hauptstraße durch eine Bat-terie von 22 Geschützen enfilirt wird. Dieses Hinderniß, dessen Wichtigkeit mannicht gehörig gewürdigt hatte, drohte die ganze Unternehmung scheitern zu machen.Man erkannte, daß das Fort gegen jeden Handstreich gesichert sey; da der Com-mandant die Ucbergabe verweigerte, so mußte man den Engpaß umgehen. Manhieb außerhalb der Schußweite einen staffelartigen Fußpfad in den Felsen, aufwelchem Infanterie und Reiterei defiliren konnten. Lannes eröffnete den Marschmit der Vorhut und marschirte nach Jvrea. Als trotz mehrerer Stürme sich dasSchloß fortwährend behauptete, blieb keine andere Wahl, als für sämmtlicheFahrzeuge den Enggang selbst zu benützen. Damit jedes Geräusch möglichst ver-mieden werde, bedeckte man die Straße mit Dünger, umwickelte die Räder mitStroh und durchzog in der dunkeln Nacht des 27ten Mai die Stadt unter einemHagel von Kugeln und Granaten. Auf solche Weise gelang das kühne Wagnißmit verhältnißmäßig geringem Verluste. Chabran blieb zur Belagerung des Fortszurück und die Armee formirte sich endlich in der Ebene von Jvrea.
Weder Melas, noch seine Untergenerale durchschauten die Plane des erstenConsuls. Sie hielten seine Bewegung für eine vergebliche Demonstration zurDegagirung Suchets, und Melas beschränkte sich darauf, dem General Klein eineVerstärkung von 5000 Mann Kerntruppen zu senden. Als ihm am 23ten Maiweitere Meldungen zukamen, brach er mit seiner 6000 Mann starken Reservenach Piemont auf und berief Elsnitz schleunigst ebendahin.
Kaim hatte 10,000 Mann Jvrea zu Hülfe geschickt, wohin sich eine Besatzungvon 4000 Mann geworfen hatte. Aber erstere waren noch weit entfernt, alsLannes nach zweitägigem Kampfe die Stadt mit Sturm eroberte.
Im Besitze von Jvrea schlug die französische Vorhut die Straße nach Turinein; nach Verlauf von 6 Tagen stieß sie auf das österreichische Hülfscorps, welchesdie Stellung bei Romano hinter der Chiusella genommen hatte und die Brückedurch eine Batterie vertheidigte. Der Sieg ward dadurch entschieden, daß einigefranzösische Compagnien den Fluß durchwateten, die Brücke umgiengen, die Ge-schütze nahmen *) und der Angriffs - Colonne dadurch den Weg bahnten; die Kai-serlichen wurden gegen Chivasso zurückgedrängt, von wo sie sich auf Turin zu-rückzogen.
Am folgenden Tage zog Lannes in Chivasso ein. Bonaparte selbst begab sich
*) Nach deutschen Berichten verloren die Oesterreicher in dem Gefechte kein Geschütz.