Band 
[Band 1.]
Seite
306
JPEG-Download
 

506

Kray unternahm es noch einmal, gegen den Strom anzukämpfen, der ihnbis an den Lech fortzureißen drohte. In der Hoffnung, der Federsee und diedortigen Gewässer würden St. Cyr Hindernisse in den Weg legen, ging er alsbaldwieder auf das rechte Donauuser über und nahm Stellung bei Biberach, festentschlossen, gegen Moreau Stand zu halten. Diese durch Verschanzungen gedeckteStadt enthielt reiche Magazine, die er nicht nur retten, sondern auch die Ver-bindung mit dem Fürsten von Reuß wieder eröffnen und hierauf die Offensiveergreifen wollte. Allein gegen seine Erwartung hatte er nicht nur St. Cyr, sondernauch den Obergeneral zu bekämpfen und wie bei Engen erlag er unter ihremDrucke. Während seine Truppen sich bei Biberach aufstellten, umging St. Cyrden Federsee, indem er entlang dem linken Ufer hinzog. Als er sich unerwartetdem Feinde gegenüber befand, stürzte er sich ohne Zögern auf denselben, durch-brach die vor der Riß aufgestellte Linie und drang zu gleicher Zeit mit den Flie-henden in die Stadt ein. In demselben Augenblicke rückte Moreau auf der Pfullen-dorfer Straße zum Sturm vor; der Ucbergang über die Riß ward forcirt undunter heftigem Feuer drang die ganze Linie der Franzosen vor. Kray, einerallgemeinen Schlacht ausweichend, befahl den Rückzug nach Ochsenhausen hinterdie Rottum.

Hier faßte der Fcldzeugmeister einen ehrcnwerthen Entschluß. Statt nach deneben erlittenen Unfällen sich sogleich durch einen Rückzug hinter Ulm in Sicher-heit zu setzen, nahm er auf den Höhen zwischen Memmingen und der JllerStellung, wo er die Straßen von Biberach und Leutkirch zu gleicher Zeit deckteund die Uebergänge über die Jller zerstörte. Aber seine Gegner wetteiferten mitihm an Nachdruck und Thätigkeit. Ehe seine Verschanzungcn vollendet waren,erschienen 2 Divisionen Lecourbe's von Wurzach aus, unweit Aiterach am linkenJllerufer, überschritten den Fluß, trotz des Widerstandes der österreichischen Vorder-truppen und drängten diese nach Memmingen zurück. Diese Operation vernichteteKray's letzte Hoffnungen; mit einbrechender Nacht ließ er daher den Marsch nachUlm antreten, wo er in dem dortigen verschanzten Lager Verstärkungen abzu-warten beschloß und seine Armee wieder organisirte.

Der Fürst von Reuß ging zur Herstellung der Verbindung mit der Haupt-armee bis an den Lech zurück, indem er Vorarlberg und Graubündten zugleichaufgab und nur in Feldkirch und dem Fort von Luzkensteig Besatzungen zurückließ.

Moreau ward lange Zeit vor Ulm festgehalten. Der Abmarsch von 12,000Mann, die er zur Reserve-Armee abgeben mußte, seine Verluste seit dem Beginnder Feindseligkeiten, die Ansdehnung seiner Operationsfront nöthigten ihn zugroßer Vorsicht und seine zur Depostirung Kray's angewendeten Manöver flößenzwar bei weitem nicht das Interesse der raschen Entwürfe Bonaparte's ein, ver-dienen aber dennoch angeführt zu werden.

Zuvörderst suchte er durch Fortsetzung seines Marsches die kaiserliche Armeenachzuziehen. Aber Kray ließ sich nicht hinreißen, vielmehr gestattete er Moreau,seinen rechten Flügel bis an die Kamlach auszudehnen und als St. Cyr's letzteTruppen die Jller überschritten hatten, stellte er sich St. Suzanne entgegen, der