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das Schicksal des Ganzen zusammenhing; weil in jenenZeiten die Bewohner des flachen Landes (der offenenOrte) für sich und ihre Habe außer den Mauern derHauptstadt keinen Zufluchtsort kannten.
Dieses hatte aber auch zur Folge, daß die Dauerder Belagerung jener Städte nicht auf die Zeit weni-ger Wochen berechnet werden konnte; — sondern daSernste Bild des letzten Kampfes darstellte, aus welchemder Triumph oder der Untergang deö sie verthei-digenden Volkes hervorgehen mußte.
5) Nachdem nun in den Geschichtsperioden des Alter-thums die Griechische Taktik die Asiatische Uebermachtbesiegt; die Römische Tapferkeit über die GriechischeVerfeinerung sich erhoben hatte, und das Römische Reich zur Weltherrschaft emporstrebte, suchten dessenKaiser durch Anlage von Grenz-Festungen längsder Ströme der eroberten Länder sich zu versichern,—und zugleich dadurch eine befestigte Operations-Basis zu erhalten, von welcher aus sie ihre (Gebieths-erweiterung bezweckenden) Angriffe für den Rückengesichert fortsetzen könnten.
Allein, so wie mit dem Zunehmen der äußern dieinnere Größe verschwand; — und so genannte Barba-ren die Grenzen des Reiches zu befehden anfingen; —dienten diese nähmlichen Castelle als Vertheidi-gungs-Fvonten, welche den Einfall derselben nochso lange zurückhielten, bis auch der letzte Rest der al-ten Kraft ausgelöscht war, und die Römische Monar-chie in ihrem Falle die Wahrheit bestätigte: — daß dasStreben des Menschen nach der Weltherrschaft(gleichviel unter welcher Gestalt) erfolglos sey, daßsolches früher oder später den Untergang des Beherr-schers und der Beherrschten begründe.