11
6) Mit derVölker-Wanderung beginnt bekannt-lich ein neuer Zeitraum in der Weltgeschichte. — Diealte Bildung mit ihrer Licht- und Schattenseite sind ver-schwunden. Ungebildete aber mannhafte Völker pflügenauf den Ruinen der Römischen Herrschaft.
Lange Zeit empfanden die Letztern zu künstlicherSicherung ihrer Besitzungen kein Bedürfniß, währendihr Leben noch roh und wandernd war.— So wie sieaber eine eigenthümlichere Heimath bekamen, und nochrohere Völker ihr Land mit verheerenden Einfällenbedrohten, wurden sie gezwungen, durch Befestigungoffener Orte sich dagegen zu schützen, und so zugleicher Zeit des Feindes Bekämpfung in freyem Feldezu erleichtern.
So wie diese Städte das Aufblühen des Handelsbegünstigten, empfanden deren Bewohner das drin-gende Bedürfniß, den zunehmenden Wohlstand durchVerstärkung ihrer Befestigung auch gegen dienähern Feinde zu schützen, worin sie in den Zeitendes Fehdewesens das einzige Mittel fanden, ihre Per-sonen und Eigenthum sicher zu stellen.
Daß aber ihr Widerstandskraft nicht nur aüf klei-nere Fehden, sondern eben so wohl auf zahlreiche Heere,so wie auf die Erhaltung ganzer Staaten sich erstreckte,beweist in ersterer Beziehung der ehrenvolle Kampfder Lombardischen Städte zur Zeit deS Mittelal-ters; in letzterer die Rettung Frankreichs durch denWiderstand von Orleans und von Venedig , durchPaduas heldenmüthige Vertheidigung.
7) Eben so verdankten in der ersten Periode derneuen Geschichte die Niederlande ihre Befreyungvorzüglich dem Umstand, daß alle ihre Städte