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Ueber das Bedürfniss bleibender Befestigungen mit besonderer Hinsicht auf die Befestigung von Zürich / von David Nüscheler
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den sich immer auf die Beschaffenheit des befestigtenoder des umliegenden Terrains * *).

50) Daß seit ihrer Erbauung die Brustwehren sichbedeutend gesenkt haben und daher der Wiederhöhung

man meistens alte Festungen nur mit vorgelegten Werken ver-stärkt, den Kern derselben sehr selten neu umgestaltet hat; auSdem einfachen Grund, weil die Anlage neuer Festungen weitschwieriger und kostspieliger ist, als viele andere Neuerungen;ein Grund mehr, mithin für ein in seinen Einnahmstiteln immerbeschränkteres Land, die bestehenden Befestigungen zu erhalten,weil es nach erfolgter Niedecreissnng bey erneuertem Bedürfnißdie Befestigung wiederum neu zu erbauen sehr schwer fallenwürde.

*) Daß das Urtheil auswärtiger Sachkundiger über die Befestigungvon Zürich (besonders wenn solche in Folge eines bloß flüchtigenUeberblicks statt findet), sehr ungleich und oft ungünstig aus-fallen kann, darf keineswegs eine Verurteilung derselben zuvFolge haben. Derjenige, welcher von dem strategischen Ver-theidigungs-System unsers Vaterlands keine nähere Kenntniß,für die Erhaltung unserer Heimath kein weiteres Interesse unddagegen mit ungemeßnem Kraftaufwand ausgeführte neuereFestungsbauten gesehen und bewundert hat, wird vielleicht aufunsere hiesige (von verschiedenen Seiten überhöhte, einfache)Befestigung einen um so weniger hohen Werth legen, als manoft, (in Folge einer menschlichen Eigenthümlichkeit) zu glänzen-den Kunstwerken, um solche noch mehr herauszuheben, gerneSchattenparteyen aufsucht. Wer aber, (wie der Verfasser miteinigen Freunden es that) alle Linien unserer Festungswerkeuntersucht hat, um wie viel deren Brustwehren erhöht, wieViel Traversen angelegt werden müßten, um eine möglichstvollständige Deckung (Defilement) zu erhalten u. s. w., und da-bey (besonders wenn die Arbeit auf mehrere Jahre vertheilt würde)auf keineswegs unerhältliche Resultate gelangt ist; dem ist eswohl zu verdenken, wenn er sich die Ergebnisse mehr als zwan-zigjährigen Studiums durch keines Machtsprüche entreißen läßt.