204
Jerome sich genöthigt sah, den General Mezzanelli von Ober-Glogau fortzuziehen, und ihn in Gemeinschaft mit dem auf demrechten Oder-Ufer vor Kofel aufgestellten 1. Linien-Infanterie-Regiment nach Oels abrücken zu lassen, so daß die Belagerungs-truppen nicht allein unmittelbar geschwächt wurden, sondern auchmit der Deckung gegen Neiße beauftragt werden mußten. Aberleider konnte der Kommandant bei der Schwäche und gänzlichenUnsicherheit der Besatzung die Gunst des Augenblicks nicht be-nutzen. ') Der Feind wagte es in den Nächten bald hier, baldda ein Stück Laufgraben auszuwerfen, ohne bei Tage mehr alsetliche Schildwachen in denselben zurückzulassen, weil er wußte,daß der Kommandant keinen Ausfall wagen könne. Die Ge-schütze in den Batterien waren so gut wie verlassen, aber bei derbedeutenden Entfernung von der Stadt konnte man mit solchenTruppen nichts thun, um davon zu Vortheilen. Der Komman-dant hatte, nichts gespart, um den Geist der Garnison zu verbes-sern; er hatte es aber nur möglich gemacht, wenigstens in derFestung die Disziplin einigermaßen aufrecht zu erhalten. Da ineiner Zeit, wo die offenen Gräben die Desertionen erschwerten,Komplotte zu befürchten waren, um mit Gewalt aus den Thorenzu dringen, so befahl der Kommandant, daß der äußere Tam-bour, die äußerste Barriere und die äußerste Aufziehklappe vordem Natiborer-Thore vernietet, ein Theil der Brücke jenseits derKlappe gänzlich abgetragen werden sollte, um das Uebergehenüber die Träger der Brücke so schwierig als möglich zu machen.Hierdurch wurde das Patrouilliren vor dem Vergraben auf die-ser Seite zwar unmöglich; aber es hatte auch ohnedies schon seiteinigen Tagen eingestellt werden müssen, da die Anzahl der berit-tenen Kavalleristen bis auf wenige Mannschaften geschmolzen war,und auch diese wenige, sobald sie zum Thore hinausgekommen
1) Der Oberst Blein sagt in seinem Bericht an den Marschall Ber-thier hierüber: »lüe dégel nous a fait perdre tous nos avantages; nousn’avons presque plus de déserteurs, lorsqu’ils arrivaient par centaine.Si le gouverneur avait une meilleure garnison, nous aurions perdu sansdoute toute notre artillerie qu’il a fallu abandonner pendant l'inon-dation.»