Band 
Zweiter Theil. Vierter Band.
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zu Kartouschen n. benutzt. Die Breslauer Brücke wurde abge-deckt, und die Bohlen zur Anlage neuer Batterien benutzt.

Der Bericht des Lieutenants Rottenburg über den Zustandder Festung bei seiner Ankunft sagt: „Neiße hatte — nach demAbgänge von 800 Mann als Handlanger der Artillerie, von 700Kranken und 500 Mann durch Tod oder Desertion — noch4000 Mann zum Dienst, von denen sich indessen nur die Halstein kriegstüchtigem Zustand befand; ß war schlecht bewaffnet, Z be-stand aus Invaliden. Die Kavallerie zählte noch 400 Reiter mit300 Pferden. Das Geschütz lag in Menge wegen zerschossenerLaffetirung und ausgebrannter Zündlöcher auf den Wällen um-her, so daß gegen eine reparirte Piece gewiß 3 unbrauchbare zurechnen waren. An Pulver befanden sich noch gegen 5500 Cent-ner, Kugeln im Ueberfluß in der Festung. Die Fortifikation hattebereits an verschiedenen Theilen gelitten, und die nöthigen Arbei-ten konnten von der durch zu strengen Dienst ermatteten Garnisonnicht mehr verrichtet werden. Auf der äußern Enveloppe fehltees an Traversen, so daß die Linien enfilirt wurden, und dieSchildwachen nur mit Mühe auf ihren Posten zu erhalten waren.Einige Schleusen hatten bereits gelitten, besonders die SchleuseNr. 1. An Lebcnsmitteln hatte es, bis auf Butter und Fett,noch nicht gefehlt '). An Geld mangelte es bereits völlig, indemnur bis zum 15. Mai die Ausgaben gedeckt waren; der Bedarfbetrug monatlich 30,000 Thlr. An Medizin fehlte es, daher auchan gehöriger Pflege der Kranken und Verwundeten. Die Stim-mung des Soldaten war muthlos, verdrossen, zur Desertion ge-neigt. Kein Haus der Stadt war fast mehr unbeschädigt, unddas Zoll-Straßcnviertel konnte man demolirt nennen. Drücken-der Mangel war bereits unter der ärmern Klasse eingerissen."

Der 7. und die Nacht zum 8. vergingen durchaus ruhig

1) Die Besatzung von Neiße war nicht wie in Glogau und BreSlauvon den Bürgern beköstigt und bekleidet worden. Die Lebensmittel wur-den in Neiße nicht nur in sehr geringer Quantität, sondern auch von sehrschlechter Beschaffenheit geliefert. Mantel waren gar nicht vorhanden; diePosten der Artillerie suchten sich durch alte Pulverdecken gegen die Wit-terung zu schützen.