Band 
Zweiter Theil. Vierter Band.
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Werkes einzudringen. Die Grenadiere hielten wiederum fest. DieArtillerie der Morast-Redoute, der Kirchhofs-Schanze, der Flesche s.und des Forts Münde trat nun auch nach dieser Richtung inWirksamkeit und hielt den Feind vom weiteren Vordringen ab.Den Füsilieren, den Jägern, und der mit den Kürassieren ver-einigten Schill'schen Kavallerie nebst 2 reitenden Geschützen ge-lang es, den Feind abermals zu werfen. Die Kavallerie, unterdem Lieutenant Lilienlhal, verfolgte wiederum bis unter den Kar-tätschschuß der Grenadier-Schanze.

Gleichzeitig wurde auch das Gefecht vor der Lauenburger-Vorstadt wieder ernster, ohne daß der Feind einen Schritt Terraingewonnen hätte.

Es war 3 Uhr Nachmittags, man schickte sich auf beidenSeiten an, frische Truppen ins Gefecht zu führen, der Haupt-mann Rödcr, interimistischer Kommandeur des pommerschen Re-servebataillons l ), war so eben beim Blockhause auf dem Körli-

1) Der Hauptmann Heinrich v. Rôder war wohl einer der ausgezeich-netsten Offiziere der Armee, dem der Major Gneisenau den wichtigen Po-sten am Körliner-Damm in dem vollen Vertrauen übertragen hatte, daß ervon dort her in aller Ruhe den Angriffen des Feindes entgegensehen könne;auch hatte er ihn für den Fall, daß er, der Major, oder der HauptmannSteinmetz bleiben sollte, zum 2. Kommandanten bestimmt. Den Offizierenund Soldaten des Bataillons war er das Vorbild eines tapferen Kriegers,und wo in den entsetzlichsten Augenblicken der Belagerung das Herz derUntergebenen wollte bange werden, da wirkte seine Gegenwart sofort be-ruhigend und erhebend ein. Er hatte die Soldaten in kurzer Zeit zu Hel-den erzogen. Bei aller Strenge, bei dem Ernste seiner Gesinnung, hatteer sich doch dergestalt in der Liebe Aller festgesetzt, daß noch über ein Zahrnach seinem Tode, als das Bataillon nach Berlin abrücken sollte und dieBrüder des Gefallenen das Grab des Bruders noch einmal besuchen woll-ten, sie eine große Anzahl Soldaten des Bataillons im Thore begegneten,und beim Befragen woher sie kämen, die Antwort erhielten: »Wir Alle kön-nen ja Kolberg nicht verlassen, ohne von dem Grabe unsers guten Haupk-manns Abschied zu nehmen.« Selbst das Pferd, das der Gefallene in denGefechten geritten hatte und später von den Brüdern benutzt wurde, sahendie Soldaten nie ohne Bewegung und einmal hörte der Bruder einen Sol-daten sagen: »die Schecke hätte eigentlich auch den Orden verdient." ~Roch im Sterben sagte er zu dem Major Gneisenau: »ich bin der Letzte,der als freier Preuße stirbt.«