Band 
[Zweiter und dritter Band.]
Seite
191
JPEG-Download
 

1-1

Kundschafter ausgesendet wurden. Die Patrouille von Frciberg kamAbends mit der Versicherung zurück, daß seit dem Abmärsche desKönigs von Westphalen in der ganzen Gegend sich kein Soldatgezeigt hätte; am 14. wurde daher Rittmeister Wagner mit 30Reitern und 2 Compagnien Infanterie gegen Dresden zum Pa-trouilliren gesendet; Wagner aber marschirte gerade auf Dresden,zog durch die Thore ein und stellte sich auf dem Hauptplatze vordem Rathhause auf, sandte hierauf sogleich eine Bürgerordonnanzan den General Am-Ende, mit der Meldung: daß der Feind,100 Mann Reiterei und 300 Mann Infanterie, den 13. Nach-mittags Dresden verlassen, und sich nach Meissen zurückgezogenhabe, und daß die Stadt von ihm besetzt sepe. Der Generalwar von der Besitznahme DreSdens, die ohne den Entschluß desRittmeisters Wagner nie erfolgt wäre, ganz überrascht, und ent-schloß sich, die Residenz, da er nicht selbst dahin gehen wollte,mit 2 Landwehrbataillons unter den Majoren Lobkowitz undPorowitz zu besetzen, welche noch denselben Abend einrückten unddie Wachen bezogen. Der Fürst von Lobkowitz wurde wiederStadt-Commandant.

Das zehnte stanz. Armeecorps unter dem König von West-phalen bewegte sich mittlerweile auf dem Wege von Freibergauf Plauen und ging dem General Kienmayer in den Rücken;dieser aber hatte den General Iunot gezwungen, nach Ambergzu weichen, und brach von Gestees nach Hof und Plauen auf,dem König entgegenzugehen, und ihn anzugreifen, ehe sich Zunotfassen und ihm nachrücken könne. Kienmayer glaubte aus demschnellen Anrücken der Westphalen annehmen zu dürfen, daß dieseein entscheidendes Gefecht beabsichtigten; er war am 13. Juliin Hof, den Tag nachher in Plauen, auf welchem Wege er diewestphälische Avantgarde traf. Jerome fand es nach der em-pfangenen Nachricht von dem Unfälle des General Iunot, unddem Eintreffen Kienmayers in Hof, für gut, von Plauen nachSchleitz sich zurückzuziehen, und seine Stellung daselbst zu ver-schanzen, obgleich er hätte bedenken sollen, daß ein verschanztesLager, wenn seine Flügel nicht durch uuübersteigbare Hindernissegedeckt waren, leichter als jedes andere umgangen werden kann,indem es nicht möglich ist, sich zu rühren, ohne die Schanzen zuverlassen, wodurch diese mithin völlig unnütz, ja öfters schädlichwerden. Uebrigens kam es jetzt nicht zur Ausführung dieses