Napoleon auf dem einen oder dem andern Punkte seinen Haupt-iibergang bewerkstelligen, zugleich aber auch die von der Lobauaus geschlagenen Brücken mit benutzen werde, um in mehrerenColonnen über den Strom zu setzen, und so seine sämmtlichenStreitkräfte schnell aus dem linken Ufer zu entwickeln ; und wohlwissend, daß eö für den Vertheidiger immer Vortheilhaft sey, auseiner weiter zurückgenommenen Stellung dem Angreifenden ent-gegenzurücken, faßte er den Entschluß, bloß das sechste CorpSund die Vorhut in ihren Stellungen dicht am Strome zu lassen,und die Armee wieder in ihre Ccntralstellung hinter dem Nußbachzurückzuführen. Die Corps von Hohenzollern, Rosenberg und Bclle-garde lagerten demnach hinter dem Rußbache, die Greiradier-und Reservcrcitercorps hinter Gerasdorf, und Collowrath erhieltmit Reuß seine Stellung am Bisambcrqe; Klenau, der an F.M. L. Hiller's Stelle ') das sechste Corps befehligte, und dieVorhutstruppen unter General Nordmann, blieben zwischenAspern und Mühllaiten als Avantgarde stehen. Ersterer beob-achtete namentlich die Strecke zwischen Aspern und Enzcrsdorf.Erzherzog Carl, der sein Hauptquartier in Breitenlee genommenhatte, kehrte am 3. Abends wieder nach Deutsch-Wagram zurück.
Napoleon, großen Werth auf die Mühleninsel legend, welchedas Centrum der feindlichen Linie nahe bedrohte, besuchte sie am3. frühe, und besah alles mit Sorgfalt. Da er das feindlicheTerrain nicht hinreichend erkennen konnte, so stieg er auf dieBrustwehr der Batterie, und blieb daselbst mehrere Momenteauf Pistolenschußweite von den feindlichen Posten. Nur mitMühe brachte man ihn dahin, seinen bekannten Ueberrock abzu-legen. Er befahl, an dem westlichen Ende der Insel eine starkeLunette auszuwerfen, um dadurch eine Floßbrücke decken zu kön-nen; dieselbe wurde durch Batterien und Brustwehren bcstri-chen. Dieser neue Ausgang sollte gänzlich unabhängig von derPfahlbrücke auf der linken Seite seyn. Er zog die Aufmerksam-keit des Feindes auf sich, brachte diesen auf den Gedanken, daß
1) Varnhagen von Ense schreibt:, „Carl sey mit Hiller unzu-frieden gewesen/ und habe ihn deßhalb durch Klenau ersetzt."Die Zeitschrift für Kunst/ Wissenschaft und Geschichte de-Kricges spricht/ daß Hiller Krankheitshalber sein Command»niedergelegt habe.