228
rückte unaufhaltsam durch das Drauthal gegen Botzen heran,zur Vereinigung mit dem General Vial und den bayrischenDivisionen.
Man hoffte, die Insurgenten würden sich, da sie nun vonallen Seiten hinlängliche Macht zu ihrer Zähmung in ihre Ge-birge eindringen sahen, zu friedlichen Gesinnungen bequemen,weßhalb General Drouet mehrere Abdrücke der Proclamationendes Vicekönigs von Italien an Andreas Hofer nach Steiuachsandte, mit der Aufforderung binnen 24 Stunden die Erklärungzu geben, ob er Gehorsam leisten wolle. Aber solche Hoffnungenschwanden bald. Nicht nur wurde am 26. Oktober Beckers beiInnsbruck und Oberst Dallwigk auf dem Berge von Hall ange-griffen, sondern diese Angriffe bald mehr, bald minder heftig auchin den folgenden Tagen fortgesetzt. Bei Hall war am 27. Okto-ber der tapfere Dallwigk in Gefahr, trotz der wackern und blu-tigen Gegenwehr seines RegimentS, gedrängt zu werden, hätteihm nicht General Wrede im rechten Augenblicke 2 Compagnienzur Hilfe gesendet.
Um nun fernerem unnützem Blutvergießen vorzubeugen, ent-schloß sich Dallwigk, die von Wrede mitgetheilte Proklamationdes Dieekönigs persönlich den Insurgenten zu überreichen und dieWaffenruhe einzuleiten. Er ließ die Parlamentär- und Friedcns-trompete erschallen, und ging zu den gegenüberstehenden Insur-genten. Mit verstellter Freundlichkeit traten diese zur Unterre-dung ihm entgegen; bald mischten sich Bauern und Soldatenim Gespräch untereinander, man wechselte Freundschafts- undFreudenbezeugungen und so ließ sich das bayr. Regiment vonden Bauern betrügen. Plötzlich, sobald diese sich Meister glaub-ten, fielen sie wüthend über die arglosen Soldaten her, schlugenmit Stutzen und Prügeln viele nieder, stürzten andere über dieFelsen hinunter, machten an 2 Compagnien Gefangene (6 Of-fiziere und 300 Soldaten) und verjagten die klebrigen. SelbstOberst Dallwigk wäre das Opfer seiner Pflicht und seiner edlenZuversicht auf das Ehrgefühl der Feinde geworden, hätten ihmnicht einige unerschrockene Grenadiere den Weg zur Rettung ge-öffnet, indem sie einige Bauern, die ihn umringten, niedermach-ten. Speckbacher und Wolfgang Statterer waren die Heldendieser schlechten That.
Die Thätigkeit der Insurgenten zur Fortsetzung des Kampfes