28 Erste Abtheilung. Zweiter Abschnitt.
Houchard, den man einer Menge begangener Verbrechen an-klagte, antwortete mit Würde: „eS ist möglich, daß ich Feh-ler begangen habe, aber wo wäre der Feldherr, der niemalsFehlgriffe gethan hatte? — Verräthcr bin ich nicht, undmein Urtheil mag ausfallen, wie es will, nur diejenigen ha-ben es zu verantworten, die es sprechen, meine Seele ist ru-hig und mein Gemüth rein." — Daß diese Worte nichtaus der leeren Phraseologie seiner Landslcute entlehnt waren,beweist die Art und Weise, wie er sein Urtheil aufnahm; erstarb mit aller der Ruhe und Standhafti'gkei't, welche die Sec-lengröße einem ungerechten Nichterspruch entgegen zu setzenweiß, und die sich in jenem Zeitraum so oft rührend in denletzten Lebensmomenten der Unglücklichen auSsprach, die alsOpfer der Volkswuth oder des Justizmordes sielen.
^'nige Stunden von der Gränze entfernt, liegt auf einerAnhöhe die französische Stadt Kassel. Drei Philippe habensie berühmt gemacht, die in ihrer Umgegend siegten oder be-siegt wurden. Der erste war König Philipp, ein Sohn Hein-rich I und der russischen Prinzessin Anna; er wurde zwischenKassel und Hatzebruck von Nobin dem Kurzen geschlagen (1071).Der zweite Philipp war derjenige, welchem man den Namendes Schönen beigelegt hatte; er war glücklicher als sein Vor-fahr, und erkämpfte einen vollständigen Sieg im Angesichtder Stadt Kassel (1328). Der dritte war Philipp, Herzog vonOrleans; er schlug den Prinzen von Oranicn, der der Stadtzu Hülfe geeilt war (1677).
Die Umgegend von Jpcrn, Warneton und Menin warin dem ersten Feldzuge der Revolution der Schauplatz tägli-cher Gefechte. DaS letzte Städtchen ist auch durch einen küh-nen Rückzug bekannt geworden, welchen die Hannoveranerunter Hammerstcin aus ihren Mauern am 27. April 1794antraten. Auf diesem Rückzüge war cS, wo eine niederlän-dische Stadt den Hannoveranern Quartier versagte. Nach ei-nigen Debatten erklärte der General Hammerstcin den Behör-den, wie er auf diese Weise genöthigt sey, sich mit Gewalt