30
Erste Abtheilung. Zweiter Abschnitt.
dem Dorfe Bovines an der großen Landstraße von Lille nachCond<l, schlug Philipp August, König von Frankreich denKaiser Otto IV und die Grafen von Flandern und Bou-logne (1243). Diese Schlacht, in welcher ein Ritter aus demalten Hause der Estaings dem König Philipp das Leben ret-tete, ist die Veranlassung geworden, daß diese Familie dasVorrecht erhielt, ihrem Wappen zwei Felder des königl. hin-zuzufügen. Zwei merkwürdige Mitglieder dieser alten berühm-ten Familie haben ein tragisches Ende genommen; C.H. Grafd'Estaing war zu Ravel in Auvergne geboren, und dienteunter General Laly in Indien. Hier fiel er in die Gefangen-schaft der Engländer, die ihn auf sein Ehrenwort zurücksand-ten ; dennoch diente der Graf ohne ausgewechselt zu seyn vonneuem, und wurde zum zweitenmal gefangen. Jetzt warfenihn die Engländer zu Portsmouth in einen tiefen Kerker, indem er mehrere Jahre schmachten mußte; endlich wurde erauf vielfache Verwendung aus seiner Haft befreit, und denEngländern fürchterliche Rache schwörend, kehrte Graf d'Estaingnach Frankreich zurück. — Der Krieg in Amerika verschaffteihm Gelegenheit; seine Leidenschaft zu befriedigen. Als Ad-miral angestellt, brachte ihm das Seetreffcn von la Grenadeeinigen Ruf; allein überall verdunkelte Leidenschaftlichkeit undein bösartiger Sinn seine Waffenthaten, auch hielten seineFeldherrntalente keinen Vergleich mit seiner persönlichen Ta-pferkeit aus, die beim Soldaten Alles, beim Oberanführeraber nur einen Theil seines Werths bestimmt. Commandantder Nationalgarde von Versailles beim Ausbruch der Revolu-tion, benahm er sich ohne Kraft bei den Mißhandlungen, diesich das Volk gegen die königliche Familie erlaubte, und ent-fernte sich von seinem Posten, als seine Gegenwart am noth-wendigsten war. Bald den Patrioten, bald den Hvsmannspielend, je nachdem es die Umstände erforderten, erschien erals Zeuge im Prozeß der Königin, und, ohne daß er ver-mochte, diese unglückliche Fürstin der er sein schnelles Empor-steigen zu den ersten Militairwürdcn verdankte, eines Verbre-chens anzuklagen, erklärte er, daß er sich persönlich über sie