Buch 
2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
Entstehung
Seite
2
JPEG-Download
 

2

die Ausdauer, Granit, Marmor, leicht bröckelnden Sandstein, oft auchnur wurmstichige Holzklötze, plastisch zu bearbeiten.

Zur besseren Verständlichkeit noch Folgendes:

Alle Erscheinungen und Bilder aus jener hochherzigen, großartigenEpoche unserer Befreiungskriege bilden nunmehr, als ein bestimmt ab-gegrenztes Ganze, als der Geschichte anheimgefallen, wie bemerkt, ihreGruppen im fernen Hintergründe. Personen, die in derselben handel-ten, sind, mit sehr seltenen Ausnahmen, vom Schauplatz abgetreten, da-her war es leicht sie darzustellen; denn wie der geübte Zeichner und Ma-ler beim Wiederauffrischen verbleichter Cartons oder Gemälde hier und dadurch einen schärferen Druck seines Crayons, oder durch's Aufsetzen vonhelleren Lichtfarben den etwas zurückgewichenen Vordergrund wieder her-vorzuheben wagt, so darf auch der Schriftsteller, nach gewissenhafter Er-kenntniß und selbst gewonnener Ueberzeugung, die durch Länge der Zeitentstandenen Mangel und Beschädigungen zu verbessern suchen. Wer-den ja die größten Meisterwerke auf solche Art reftaurirt.

Wie natürlich, wird hierbei individuelle Ansicht und der Grad derKunstfertigkeit einwirken; doch dürfen wir nicht deshalb dies oder jenes inden Bereich von Dichtung oder sogenannter poetischer Licenz verweisen.

Wem gelang es wohl je, persönliche und allgemeine Ansicht und Mei-nung streng zu sondern, chemisch zu scheiden?

Anders stellt sich nun freilich die Aufgabe, wenn man die jüngsteVergangenheit oder gar die Gegenwart zu beschreiben hat.

Personen und Thatsachen stehen noch im Proscenium, leben noch inder Entwickclungspcriode, und theilen sich nur in so fern in distincteClassen, daß die Hauptmassen als Spielpuppen, einige Wenige aber,welche die leitenden Fäden in den Händen halten, als eigentliche Haupt-Acteure figuriren.

Es ist fast immer ein höchst undankbares, öfters sogar ein indiskre-tes Beginnen, hinter die Coulissen der Einen zu schauen, oder die über-tünchte Form der Anderen in's helle Tageslicht ziehen zu wollen.

Ich will es aber dennoch versuchen, da ich weder von dem einen .Theile etwas hoffe und erwarte, noch weniger aber gewilligt bin, längerzu der größeren Mehrheit gezählt zu werden.