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Man wird endlich müde, wenn man beinahe vierzig Jahre am Draht-seile herumgchüpft ist.
Als erfahrener Soldat vermag ich jedoch natürlich nur über militai-nsche Verhältnisse ein bestimmtes Urtheil abzugeben, wenn auch geradeandere Gegenstände mir nicht gänzlich fremd geblieben sind. Zu erste-rem aber bin ich wohl berechtigt, denn anstatt mit dem großen Schluß-akte von 1815 meine letzte Patrone verfeuert zu haben, und dann aufdem gemächlichen Pfühle jener Sicgestagc mich zu sonnen, oder gar imwohlthuenden Schatten gcträumter oder von Andern geflanztcr und ge-pflegter Lorbeerhainc auszuruhen, — habe ich Kämpfe aufgesucht, welcheals Ncbcnrciscr dem großen Fricdcnsstamme nach jenem Freiheitskriegeentsprossen und nothgedrungen entsprießen mußten.
Der gewaltige Jnoculationsproccß, welcher in Europa eine unerschüt-terliche Basis zum ewigen Frieden geben sollte, auf statistisch-topogra-phische Zahlcnberechnungcn, veraltete geschichtliche Traditionen und par-tielle, momentan überwiegende Interessen begründet, war durch den Con-grcß zu Wien in's Leben gerufen, und dabei unter anderem festgestelltworden, daß
Rußland und Polen,
Belgien und Holland, undSpanien von 1812 mit Spanien von 1714fortan innig vermählt und verbunden sein sollten; denn was in letztererBeziehung zu Verona ausgesprochen wurde, war ja nur ein Nachhallvom März 1815.
Heterogene Nationalitäten amalgamiren zu wollen, und Rückschrittevon hundert Jahren, bezeichneten natürlich nur gar seichte Garantien zumewigen Frieden, und als derselbe sehr bald gestört ward, ließ man lei-der die Garantirten ohne allen Schutz.
Es wäre in Beziehung zum Allgemeinen durchaus indifferent zu wis-sen, welcher Partei ich mich in jenen Kämpfen anschloß; zu meiner eigenenBeruhigung versichere ich jedoch im Stolzgefühl eines alten preußischenSoldaten, daß ich es nur vermochte, für das legitime Princip den Degenwieder zu entblößen, welcher seit la Belle-Alliance bereits in der Scheidezu rosten begann. Mit welchem Resultate, wollen wir später anführen.
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