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erwuchs, hatte ich damals keine geläuterte, d. h. parteilose Ansicht; ichfühlte nur den Schmerz, welcher durch die Beeinträchtigung meiner per-sönlichen Interessen daraus hervorging, und ahnte die Folgen. Ichbefand mich wohl überhaupt in zu subalterner Stellung, um den wirk-lich gewaltigen Rückschritt, den mein theures Vaterland in Beziehungseiner deutschen Interessen und von außen her unabhängigem Bestehenmachte, damals ganz zu ermessen. Heute ist es freilich anders, aberdiscreten Sinnes halte ich hier mit meinen Ansichten und das durchdie Folgen geläuterte und festgestellte Urtheil noch zurück, bis ich zudem Zeitpunkt gelange, wo ich es ohne Rückhalt, und ohne irgendwounangenehme Gefühle zu wecken, werde thun können.
Mir wurde nunmehr angekündigt, daß ich wohl bis zu dem Endedes gegenwärtigen Cursus in der Kriegsschule hospitiren könne, jedochdie Nachmittagsarbciten, welche mir längst erlassen, wieder aufnehmenmüsse. Dies gehörte zweifelsohne zu den ängstlichen Maaßregeln, welchejedes Interregnum zur Deckung seiner Verantwortlichkeit ergreift; undüber die definitive Besetzung der vacant gewordenen Stelle, welcher Ge-neral von Grolman bisher vorgestanden, war noch nicht verfügt worden.
Der von mir auf mehrere Monate nachgesuchte Urlaub, um mitmeinen beiden ältesten Geschwistern das lang ersehnte Wiedersehen mitunserm Vater in Curland bewerkstelligen zu können, wurde mir geradenicht verweigert, doch das Prognostikon oder vielmehr die Möglichkeitvorgestellt, daß ich bei der neuen Regulirung der Verhältnisse im topo-graphischen Bureau, welche bei den durchaus entgegengesetzten Princi-pien des ernannten Chefs eintreten müsse, leicht Übergängen und zumRegiment geschickt werden dürfte.
In Berücksichtigung so triftiger Gründe zog ich es natürlich vor, an-statt der Urlaubsreife während der drei Sommermonate, mich zu den mili-tairisch-topographischen Vermessungen bei Frankfurt a. O. zu verfügen.
Bei dieser Gelegenheit lernte ich den General von der Marwitz, einenin unserem Befreiungskriege öfters und rühmlichst genannten höherenCavallerie-Offner, kennen, da die mir obliegenden Geschäfte mich auchauf seine Besitzungen im Odcrbruche unweit Cüftrin führten.
Es sind mir damals und später eine Menge von originellen und