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Auch mußte er gar oft schmerzliche Zurücksetzungen und Verletzungenseiner jugendlichen Eigenliebe erdulden.
Man erzählt, daß unser hochseligcr König in den ersten Regierungs-treu einmal im genannten Kadetten-Institute einer Schulprüfung bei-gewohnt habe. Als die Knaben der Reihe nach demselben vorgestelltKurden, verweilte des Königs Blick einige Minuten auf einem jungenSchüler, der scheu und ängstlich sich hinter die Ucbrigcn zu verlier-en suchte; der Knabe schien überhaupt seinem Aeußern nach zu denMaladroiten und Nachlässigen zu gehören. Der Monarch bemerkte des-halb dem Obersten von Lingelshcim, damaligem Chef des Hauses, inetwas unwilligem Tone:
„ Aus jenem kleinen mistigen Kadetten wird wohl nichts Gescheu-tes werden", und erkundigte sich nach dessen Namen.
Der Oberst, ein Ehrenmann, nannte aber den jungen Dicbitsch, derselbeöru der König gemeint, als einen seiner ausgezeichnetsten Zöglinge, mu-s^rhast ,'m Fleiße und in moralischer Führung, zwar unansehnlich anGestalt, aber in seinen Kenntnissen weit über die Meisten hervorragend.
Ob nun diese uns bekannt gewordene Scene aus den frühsten Le-^usjahrm des berühmten Feldherrn wirklich gespielt hat oder nur alsAnekdote gemacht worden ist, sei dahin gestellt, so viel ist jedoch gewiß,^st Graf Dicbitsch, so oft er in späterer Zeit nach Berlin gekommen'H' jedesmal den alten General von Lingelshcim, in dankbarster Erin-*wrung von dessen Gönnerschaft, zuerst besuchte.
Der Vater unsers kleinen Dicbitsch hatte als Oberst den preußischenDienst verlassen und trat, einer Einladung des Kaisers Paul folgend, alsGeneral in die russische Armee. Dieser Umstand mag wohl die cigcnt-Hche Veranlassung gewesen sein, daß unser Dicbitsch nicht lange nachKöniglichen Besuche das Berliner Kadettencorps verließ und eben-in Rußland Militairdienste nahm.
In dem russisch-preußischen Feldzuge 1807 hat sich der junge Offi-"" öfters durch persönliche Tapferkeit ausgezeichnet und in einem Gc-s°chte bei Pultusk erwarb er sich den Georgenordcn vierter Classe, undOrden pour ls merite.
Als im Jahre 1808 der hochsclige König mit seiner uns allen un-