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vergeßlichen Gemahlin Louise den Kaiserlichen Freund und Verbündetenin St. Petersburg besuchte, soll Alexander ausdrücklich befohlen haben,die schönste Compagnie des Preobatschinskischen Garde-Regiments alsEhrenwache vor dem Palais seiner Königlichen Gäste aufzustellen. Äufdie erhaltene Meldung: daß die Compagnie des Capitain von Diebitschunbedingt die vorzüglichste von allen andern sei, hat jedoch der Kaisttbemerkt: daß die Figur des genannten Officiers zu unansehnlich undhäßlich sei und sich durchaus nicht zu dieser Bestimmung passe; That-sache ist's, daß zwar die Compagnie den Ehrenposten bezog, ein andererschön geformter Capitain aber in Diebitsch Stelle eintrat.
So begegnen wir hier einer abermaligen öffentlichen Zurücksetzungdes jungen Diebitsch, wegen des von Natur ihm stiefmütterlich verliehe-nen Acußcrn; dieser letztere Fall erbitterte mit allem Recht unsernden dermaßen, daß er augenblicklich seinen Abschied forderte.
Und gerade dieser Umstand war sonderbarer Weise der Grundsteinzu seiner spätern glänzenden militairischcn Laufbahn.
Ich habe mich, wie ich am Eingänge dieser kleinen Lebensskizzc »>it-theilte, während meines Aufenthalts in St. Petersburg einige Zeit i»'Hause der Generalin von Ticsenhausen, ältesten Schwester des Feldmaßschalls, aufgehalten. Von dieser Dame erfuhr ich nun die Details übeteine Angelegenheit, die das spätere Leben ihres Bruders gestaltet hat-
Wir wollen solche deshalb etwas näher betrachten.
Diebitsch wohnte damals im Hause seines Vaters (dasselbe, in äs-chern ich meine gütige Berichtcrstattcrin besuchte), und da mir Alles vc»»höchsten Interesse war, was mich auf das innere Leben des genanntenGenerals hinwies, so hat mir auch diese Dame oft die Ecke des Salonsbezeichnet, in welche ihr Bruder, als er über die erfahrene Zurücksetztaus's Höchste empört, von der Parade heimkehrend, seinen Hut, Miss"und Stock geworfen habe, mit dem männlichen Ausrufe:
„Nun! ich will diesen Leuten schon zeigen, daß der Werth ^Mannes nicht nach seiner äußern Figur abzumessen ist. Nicht ehe*ziehe ich meinen Degen wieder, bis mir die glänzendste Genugthntgeworden. "
Dem Capitain von Diebitsch wurde der nachgesuchte Abschied i'icht