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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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er Entscheidung sollte eben losbrechen. Es war 3 Uhr Nachmit-.... ^ plötzlich schwieg daö Geschütz auf allen feindlichen Batte-Auf das Krachen eines Donners, wie am Tage des Weltgerichts,lange und öde Stille. Jeder Athem bei uns stockte; Niemand^griff diesen schnellen Wechsel, dies schnelle Erstarren so gewaltiger los-gelassener Kräfte. Da nahte ein feindlicher Parlementair, und neben>hni ein Mann, den man in der Ferne als eine Militairperson, dann^er, so wie die Umrisse der Gestalt sich immer deutlicher ausbilde-ten, unter Verwunderung sogar als einen preußischen Officier erkannte.Schärfere Augen versicherten sogar, sie unterschieden die Züge ihresRundes, des Lieutenants von Holleben, vom dritten neumärkischen Rc-Urve-Bataillon, der erst vor einigen Wochen mit einer Abtheilung Kriegs-lssfangener über See nach Memel abgegangen war. Das schien un-'^glich, und doch war dem also! Das erste Wort, als er sich fastE)c>nlos in den Kreis seiner Bekannten stürzte, war der Ausruf: Friede,^olberg ist gerettet!

Welche Feder, auch viel geübter als die meinige, reichte wohl hin,trunkenen Jubel zu schildern, der in so überraschendem Wechsel alleGemüther ergriff und aus sich selber hinwegrückte! Man muß wahr-^ selbst in der Lage gewesen sein, sich und die Seinigcn sammt Leben^ Wohlfahrt gänzlich aufgegeben zu haben, um dies neue, kaum glaub-arc Gefühl von Ruhe und Sicherheit nachzuempfinden, wobei sich auf"tzenblilke wenigstens alles verschmerzt und vergißt, was man Drang-^lles erlitten hat. Es ist wie ein böser Traum, den man endlich ab-^chüttelt hat, und aus dem man nun zu vollem freudigen Bewußt-zurückkehrt. Allein nächst dem erfreuenden Gedanken an sich selbst,Mte sich allen und einem Jeden von uns der zweite, dessen wir^ waren, unwillkührlich auf unsern edlen Gneiscnau, dem^ es nächst Gott schuldig waren, wenn wir uns diesertunde und eines so ehrenvollen Triumphes erfreuten.Gefühl, auch wo es stumm in der Brust nur durch einen dank-Blick auf ihn sich offenbarte, hat ihm auch sicher, als der schönsteseiner Anstrengung, genügt. Der König belohnte Gneiscnau jedochStelle, indem er ihm durch den Friedensboten selbst seine Er-