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. Gneisenau an Schill.
Königsberg, den 2ten Februar 1809.
„Mein theurer Freund!
Den jungen Mann, der Ihnen diesen Brief überreicht, empfehle ichIhrer Fürsorge und Ihrem Wohlwollen. Er wird sich unter Ihrer^itung durch Tapferkeit derselben würdig machen. Sorgen Sie da-für, daß er nicht verschwende, und machen Sie ihn zu einem gutenWirth. In Antwort auf Ihre Zuschriften kann ich vor der Hand»ichts erwiedern, als: Habt Geduld! Es wird Alles noch besser wer-den, als wir vermuthen — seit 18 Stunden athme ich wieder etwasfreier; sagen Sie dieses Chasot und Redcr. Lassen Sie aber dieFreude über bessere Aussicht nicht laut werden, Behutsamkeit ist uns"Hig; denn es sind falsche Freunde unter uns. Ich umarme Sieund werde Ihnen gern die Hand zum Gruße reichen, wo es uns^iden am angenehmsten sein wird. — Unsere Angelegenheiten scheinengut zu stehen. Sie wissen, ich bin nicht immer hoffnungsreich, undMan beschuldigt mich sogar, daß ich schwarz sehe; aber mich dünktdenn doch, daß wir einer frohen Zukunft entgegensehen dürfen. Dendien dieses kommt der Hof hier nach Königsberg zurück; dann wirddrr Aufenthalt noch zehn Tage dauern, die Reise nach Berlin aber°den so viel. Leben Sie wohl, mein theurer Freund, und fahren Sief°" die Gemüther zu erfrischen, wo das Blut etwas stocken will.
Meine treue Mitwirkung sür Ihre Pläne sage ich Ihnen vonHerzen zu als ihr treuergebener
Neidhardt von Gneisenau."
hierher gehört noch folgendes Schreiben des damaligen Obersten an
Achill empfohlenen jungen Osficicr, wahrlich kein geringer Denkstein* Gneiftnau's cdelmüthige Gesinnung.
"Einliegendes Fragment wird Ihnen sagen, daß Sie füglich beiAchill bleiben können, ohne etwas für Ihre Versorgung befürchten zudürfen. — Seien Sie unbesorgt darum, daß die Schill in Berlin erwie-sen Huldigungen meine Eifersucht rege machen könnten. Schill ist"°eh jung und kann der großen deutschen Sache noch wichtige Dienste