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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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und her; und ebenso war sein Angesicht, wenn er nicht zuweilen -was ihm selten begegnete in eine halb träumende und sinnende Ab-spannung fiel, immer von einer wallenden und geistigen Fluth übergössetwelche seine Gesichtszüge selten still stehen ließ.

Dadurch ist es geschehen, daß dieser schönste Männcrkopf in sn^eeigensten sichersten Bedeutung sehr schwer zu fassen und festzuhaltenso daß, wer ihn gekannt hat, durch kein Gemälde und keinen Kupfersvon ihm befriedigt worden ist. Diese Gcistigkeit, die sich auf dem edle»Antlitz in den leichtesten, beweglichsten Wechseln malte und abspiegeltdrückte sich in allen Gefühlen, Stimmungen, beide der Liebe und desZornes, der Freude und des Nnmuths, auf das liebenswürdigstegewaltigste aus. Dieser Kopf, der gewöhnlich rasche Kühnheit und st^gende Freudigkeit aussprach, hatte doch auch seine Augenblicke, rv»»"gelungene Entwürfe und edle Hoffnungen durch Feigheit oder Schleitigkcit der Neidischen und Dummen gehemmt oder vereitelt waren,er eben durch die Innigkeit des Herzens und die Gewalt der Gefühlbeschattet und bewölkt war, daß er den Mann, welchen man nureinen Vierziger vor sich zu sehen geglaubt hatte, in einem plötzlich^Dunkel, gleichsam wie einen gealterten Greis zeigte. Ich habe lsint»so geschwinden Wechsel an einem Manne gesehen. Aber sobaldSonnenschein der Luft und Hoffnung wieder schien, stand der kühnegeistige Jüngling in voller männlicher Herrlichkeit wieder vor uns-

Diese edle Gestalt, dieser geschwinde Muth und geflügelte Geist,ner von Plato's Gefiederten, war auch durch innerste Schönheit dckSeele geadelt; das Edle, Stolze, Hochherzige leuchtete wie ein lieblich^Sonnenschein aus allen seinen Bewegungen und Zügen. Man lon»^in seinen glücklichen Augenblicken ordentlich wie in Freude und Dcrtdrung vor dieser erhabenen Erscheinung still stehen und sich still zuruftSieh, hier ist einmal ein ganz wohlgeborener harmonischer Mensch-gewaltigem Ungestüm und bei unendlicher Beweglichkeit die seltensteschaff über die Triebe; selbst im Unmuth und Zorn, worin er sich "fremde Niederträchtigkeiten und Schleichcrcien wohl ergießen konnte, I ^die Gcbehrde des Mannes unter höherer Gewalt, und die Sprachthielt den Klang des Helden, sie verwirrte und vcrschnob und verblieb