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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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spectvollste Betonung in der Antwort ganz besonders hervorhob; ich habees nie anders gehört, als daß General Clausewitz den Feldmarschall m»Erccllenz anredete.

Und doch waren es innige Freunde und Gleichgesinnte in Gedanke»,Wort und That.

Mit etwas gesuchter Förmlichkeit wurden auf General Clausewitz be-sondere Bestimmung vor jedem Diner sämmtliche Officicrc der Anciemnetät nach aufgestellt, und Hut und Degen so lange dabei in der Ha»bbehalten, bis der Feldmarschall nach kurzem Zögern in den Salon trat,mit fast unnachahmlich gracicuser Hoheit und wohlwollendem Blicke »»§begrüßte, und das Zeichen zum Platznehmen dadurch gab, daß er be»»Niedersetzen mit einer leichten Handbewegung andeutete, wir möchten st'"nem Beispiel folgen.

An einem der ersten Tage unsers Zusammenlebens, und nachdemmuthlich der Fcldmarschall die Gäste an seiner Tafel im schnellsten klebetblick sondirt und gemessen hatte, nahm derselbe das Wort:

Meine Herren, ein freundliches Gesuch richte ich hier im Vora»§an Sie Alle. Wir beginnen hoffentlich eine lange und gemüthrcicheunseres Zusammenseins; daher bestimme ich, daß während des Esst»§kein Wort von dienstlicher Unterhaltung vorkomme; bewahren wir »"^solches für die Stunden, wo es uns die Pflicht gebietet. Der Dir»!stimmt ernst und zuweilen recht trocken; ein guter Appetit kann aber »"*durch Frohsinn und gute Laune hervorgerufen werden. Ich bedarf übt'"dies Beides, und so wird der unter Ihnen, welcher mich durch st'"/Erzählungen und Unterhaltungen am meisten zum Lachen und zur ^terkeit stimmt, mir zugleich ein sehr angenehmer Tischgenossc sein ^

Solch' ein Zuspruch löste gleich in den ersten Tagen unsers Zus»"'menlebens das Steife und Unbehagliche, welches Untergebene in naherrührung mit so hoch stehenden Männern und Vorgesetzten immer bcf»"gen muß, und wenn dennoch hier in unserm Kreise bei Einem om>Andern der Erfolg dem Bemühen, sich natürlich und frei zu beweist 'nicht entsprach, so wußte der Fcldmarschall sehr bald mit der güt'ÜHerablassung Jeden auf den Standpunkt zu heben, welcher se>"^ Psönlichkeit gebührte.