Buch 
3 (1829) Von dem Untergange des weströmischen Reiches bis zum Anfange der Kreuzzüge / nach den Quellen bearbeitet von F. v. Kausler
Entstehung
Seite
360
JPEG-Download
 

unterdessen Zeit gehabt, hinter denselben Steine aufein-ander zu thürmen, welche eine zweyte Mauer bildetenund so verfloß dieser zweyte Tag, ohne daß die Sara-zenen ihren Zweck erreichten. In der Nacht verbandensie je zwey Schiffe und errichteten hohe Thürme aufdenselben, die sie mit den Tapfersten ihrer Truppenbesetzte». Diese hatten Befehl, zuvörderst durch ihreGeschosse die Vertheidiger von der Mauer zu vertreibenund hierauf vermittelst herabgelassener Fallbrücken aufdiese überzugehen. Als die Einwohner während derNacht beym Fackelschein diese furchtbaren Zurüstungensahen, gaben die meisten derselben die Hoffnung auf,sich länger halten zu können und verließen die Stadt-mauer. Nur die Tapfersten hielten Pech und anderebrennbare Materialien bereit, um entweder die Thürmeoder die Schiffe in Brand zu stecken.

Mit Tagesanbruch führten die Sarazenen dieseSchiffe herbey und bald kam es zu einem Handgemenge,wie auf festem Boden, in welchem endlich die Sara-zenen durch ihre große Ueberzahl den Sieg davontrugen. Sie drangen übex die Mauer in die Stadt einund hieben in der ersten Wuth Alles nieder, was ihnenin die Hände siel. Nur diejenige» wurden verschont,von denen ein beträchtliches Lösegcld zu erwarten war.Hiebey »ahmen die Sarazenen jedoch nur Gold, Silber,Edelsteine und Seide an. Nach zehntägiger Plünderungkehrten die Sarazenen mit unermeßlicher Beute beladennach Asien zurück. Als sie unterwegs die Gefangene»zählten, fanden sich deren 22,000.