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rung gemacht, daß hohe Räder hier wirklich nachteilig, und die niedrigen den Vorzugverdienen?
Diese Frage lönnte man wohl bestimmt verneinend beantworten, indem man rS ingebirgigten Ländern nie gewagt hat, in dieser Rücksicht von dem Hergebrachten ab-zugehen, und einmal nur zur Probe, einen Wagen mit hohen Rädern zu construiren.Der Bauer hat Wagen mit kleinen Rädern folglich lassen die gebildeten Stände IhreFuhrwerke nach denen des Bauern construiren; anstatt erstere den kandmann aufklärenund vom Gegentheil überzeugen sollten. Hören denn die Gesetze der Mechanik auf, gül-tig zu seyn, wenn man Berge hinauf und hinab fahren soll?
Man könnte sagen, höhere Räder haben ein größeres Gewicht und folglich wird derTransport bergauf dadurch erschwert, indem ein desto größeres relatives Gewicht, dieschiefe Ebene hinauf gebracht werden soll; und bergab hat das Pferd m-.hr Kraft anzu-wenden, um der größer» Last gehörig das Gleichgewicht halten zu können. Allein derUnterschied des Gewichts der Räder wird beim Berganfahren zum Theil durch die leich-ter« Ueberwindung der Reibung aufgehoben, oder er ist wenigstens so unbedeutend, daßselbiger gegen die Vortheile, welche hohe Räder auf schlechten, ausgefahrnen, höckerig-ten, steinigten Wegen haben, nicht in Betrachtung kommen kann, und wenn eS den Berghinabgehet, so wird man ja bei Artilleriefuhrwerken nicht ohne Hemmefchuh mar-schiren.
XXVII.
Man könnte ferner sagen, daß bei hohen Rädern, beim Berganfahren, die Brust, der Vor-derpferde sich durch die Anstrengung so tief lege, daß der Zugpunkt vor der Brust dersel-ben, tiefer zu liegen komme, als die Achse der Räder, und wodurch folglich ein schieferZug gegen die schiefe Ebene entstehe, wobei ein Theil der angewandten Kraft der Pferdeverlohren gehe. Allein auch diese Einwendung ist bei Rädern, welche nicht höher sind,als 6 Fuß, ohne Grund, weil die Brust, selbst der kleinern Pferde, selten tiefer alsZ Fuß zu liegen kommt, und wenn dieses auch einmal geschähe, so kann die dadurch vek-lohrne Kraft, welcher Verlust von dem Verhältniß des Sinus des Zugwinkels, gegen dieschiefe Ebene und des Sinus tvtus abhängig ist, gegen die Vortheile, welche hohe Rä-der in ausgefahrnen Wegen haben, nicht in Betrachtung kommen; wenn aber die Rädernur ; pariser Fuß hoch sind, so fällt obige Einwendung gänzlich weg.
XXVIII.
Wodurch könnte also wohl das Vorurtheil entstanden seyn, baß man im Gebirgekeine hohe Räder haben müsse? Ich glaube, durch die Einbildungskraft. Wennman in hohen Gebirgen fahrt, so siehet das Umwerfen gefährlicher auö als in der Ebene,oder es scheint so als wenn es hier leichter zu befürchten wäre. Da nun das Umwerfen