Band 
Erster Theil.
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186
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186 Astronomie. '

erläutert worden find, und die Astronomie ist daher nicht unpassend als dieMechanik des Himmels bezeichnet worden.

2 Das Gebiet, in welchem die Erscheinungen der Astronomie sich darstellen,ist der Weltraum oder Himmel, und die in demselben auftretenden Massen sinddie Welt- oder Himmelskörper, gewöhnlich Gestirne genannt. Wie wir in derPhysik den Raum als etwas Unendliches bezeichnet haben, so stellen sich dieWeltkörper als ein Unzähliges dar. Dieses Unerfaßliche und der genauen Vor- sstellung sich Verhüllende, diese unerreichbaren Entfernungen und ungeheurenMassen der Materie mit eben so undenkbarer Geschwindigkeit ihrer Bewegungalles dieses verleiht den Erscheinungen der Astronomie und daher dieser Wissen-schaft selbst etwas Erhabenes und Feierliches, welches anderen Gebieten derNaturwissenschaft nicht eigen ist.

»Der Anblick unbegränzter Fernen und unabsehbarer Höhen, derweite Ocean zu des Menschen Füßen und der größere Ocean über ihmentreißen seinen Geist der engen Sphäre des Wirklichen und der drücken-den Gefangenschaft des physischen Lebens.«

Wenn wir in diesen Worten Schiller's den erhabenen Charakter derastronomischen Erscheinungen hinreichend bezeichnet finden, so folgt daraus kei-neswegs, daß die Astronomie, wie Viele es aussprechen, die erste und höchstealler Naturwissenschaften sei. Denn für den Naturforscher, welchem das ganzeBereich der Natur angehört, sind alle einzelnen Zweige ihrer Wissenschaft nichtsanderes als Ringe einer in sich selbst zurücklaufenden Kette, aus der wir nicht «

ein einziges Glied herausnehmen können, ohne den Zusammenhang des Ganzenzu vernichten. Unrichtige Vorstellungen über das Wachsthum der unscheinbarstenPflanze sind des nach Wahrheit strebenden Geistes ebenso unwürdig, als dieUngereimtheit der veralteten Ansichten über die Bewegungen der Himmelskörper.

3 Die Astronomie nimmt zur Betrachtung ihres Gegenstandes ganz vorzüg-lich die Mathematik zu Hülfe. Denn die wichtigsten Fragen in ihrem Gebietebeziehen sich auf Raum, Zahl und Zeit. Wie groß und wie weit, oder wielang und wie oft? dieses sind die ersten Fragen, welche wir an den Astro-nomen stellen.

Nur die Mathematik und besonders die höhere Meßkunst ist im Staute,hierauf die Antwort zu finden, und es ist gewiß, daß gerade erst durch dieseAnfragen der Astronomie die hohe Ausbildung der mathematischen Wissenschaftenerreicht worden ist.

Es ist daher unmöglich, den Wegen genau zu folgen, auf welchen dieAstronomen die bedeutendsten ihrer Wahrheiten erreicht haben, ohne daß manselbst bedeutende Kenntnisse in der Mathematik sich angeeignet hat. Dagegen ^

stellen die von den Gelehrten auf mühsamem Wege erreichten Entdeckungen undaufgefundenen Gesetze sich wenigstens in einfacher Weise dar, und sind auch dem-jenigen anschaulich zu machen, der nicht Mathematiker von Fach ist.

Die Astronomie crfordcrt außerdem eine öftere Anwendung von Gleich-nissen, um mauche ihrer Erscheinungen der Vorstellung leichter zugänglich zumachen. Es ist offenbar schwierig, sich die Größe unseres Erdballs zu denken