Band 
Erster Theil.
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281
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Chemische Äquivalente. 281

blribt. Es scheint, als ob die beiden Arten der Elektricität, die an den Polender elektrischen Apparate auftreten, mit unwiderstehlicher Gewalt die verbundenenStoffe auseinanderrissen. Aber nicht minder ist die Elektricität ein Hülfsmittelzur Herstellung chemischer Verbindungen, indem es oft genügt, einem Stoffeeine bestimmte Elektricität mitzutheilen, um seine Verbindung mit einem andernStoffe einzuleiten, die ohne diese Mitwirkung nicht eingetreten wäre.

Am deutlichsten kann man sich noch von dem Einflüsse der Wärme beichemischen Processen eine Vorstellung machen. Denn einestheils vermindert die-selbe den innern Zusammenhang der Körper, der stets der chemischen Thätigkeithemmend entgegenwirkt, und begünstigt dadurch in unzähligen Fällen das Zu-standekommen chemischer Verbindungen; anderntheils dehnt die fortwährend ge-steigerte Wärme immer mehr aus, so daß endlich die durch die Verwandtschaftverbundenen Stoffe sich von einander losreißen und die chemische Verbindungzerfällt. Das Kalkbrennen ist ein Beispiel der letztem Art. Ein luftförmigerKörper, die Kohlensäure, die in dem Kalksteine enthalten war, folgt in starkerGlühhitze dem erhöhten Drang nach Ausdehnung und verläßt denselben.

Dis oksrrrisoksir ^segriivalsuts. Verfolgt man eine Reihe von chemi- IIschen Processen sorgfältig mit der Wage in der Hand, so ergeben sich alsbald einigeGesetze von der höchsten Wichtigkeit, welche die Grundlage der Chemie ausmachen.

Wenn ich z. B. 116 Gewichtstheile Zinnober in seine Bestandtheile zer-lege, so erhalte ich aus demselben 100 Loth Quecksilber und 16 Loth Schwefel;zerlege ich 37 Loth Zinnober, so finde ich, daß darin 31,8 Loth Quecksilberund 5,2 Loth Schwefel enthalten sind. Diese letzteren Zahlen verhalten sichaber genau zu einander wie 100:16. Kurz, wenn ich irgend eine beliebigeMenge Zinnober untersuche, so finde ich, daß stets Quecksilber und Schwefeldesselben sich verhalten wie 100:16. Es könnte zwar doch einmal der Falleintreten, daß ein anderes Verhältniß gefunden würde. Allein alsdann hatteman sicher keinen reinen Zinnober unter den Händen, er war vielleicht miteiner andern rothen Farbe, etwa mit Mennige, verfälscht; man wird diesenfremden Stoff auffinden, ihn entfernen und dann gewiß finden, daß der Zinno-ber die obige Zusammensetzung hat.

Zwar darf uns dieses nicht überraschen, denn in tz. 3 wurde ja gesagt,daß bei der Fabrikation des Zinnobers Quecksilber und Schwefel im Verhältnißvon 100 -. 16 verwendet werden; folglich ist es begreiflich, daß man stets das-selbe wiederfindet.

Allein warum nimmt man denn zur Bereitung des Zinnobers gerade beideStoffe in jenen Gcwichtsmengcn? Warum nimmt man nicht etwas mehrSchwefel, der doch bei weitem wohlfeiler ist, als Quecksilber. Würdeman dieses in der That versuchen und z. B. auf 100 Loth Quecksilber etwa24 Loth Schwefel nehmen, so würden sich doch nur 16 Loth des letztem mitdem Quecksilber verbinden; die übrigen 8 Loth Schwefel verflüchtigen sich oderverbrennen. Entsprechend würde es sich verhalten, wenn die Menge des Queck-silbers über jenes Verhältniß hinaus vermehrt wirb.