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Erster Theil.
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443
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Trockene Destillation. 443

Auch hier kommen, ähnlich wie bei der Fäulniß, die Producte der einenReihe unter den Produkten der andern Reihe vor, jedoch stets in untergeordne-ter Menge.

Im- Allgemeinen treten zuerst die wasserstoffreicheren Producte auf, wieEssigsäure, Holzgcist, flüchtige Oele und ammoniakhaltiges Wasser, die jedochalsbald zum Theil zerfalle», wodurch immer einfachere Verbindungen entstehen,wie die Kohlcnwasserstoffgase, Kohlensäure und Kohlenoxyd- Die Benutzungder Kohlenwasserstoffgase als Beleuchtungsmittel ist uns schon in §. 60 näherbekannt geworden. Der in jedem dieser Beispiele auftretende Theer ist keinKörper von bestimmter chemischer Zusammensetzung, sondern ein Gemenge vonvielen Stoffen, namentlich von flüchtigem Oel, sogenanntem Brandharz, und istschwarz gefärbt durch Kohle. Mehrere der in ihm enthaltenen Körper sind ihrerEigenschaften und Anwendungen wegen Gegenstand der Fabrikation geworden.So gewinnt man aus Holztheer und Steinkohlentheer durch Destillation der-selben mit Wasser verschiedene Theer öle, die sehr ungleich flüchtig find unddaher durch unterbrochene Destillation getrennt werden. Dieselben bestehen ausKohlenstoff und Wasserstoff und finden unter ganz willkürlich gewählten Namen,wie Photogen, Hydrocarbür, Solaröl, Krystallöl, als LeuchtmatcrialAnwendung. Das flüchtige Oel des Steinkohlentheers, früher hauptsächlich znmFlüssigmachen des Kautschuks verwendet, kommt jetzt wasscrhcll unter dem Na-men Benzin in den Handel und dient als Universalfleckenwaffer zum Entfernenvon Flecken von Fett, Harz u. a. m. Des im rohen Steinkohlenthceröl ent-haltenen Anilins wurde bereits §. 176 gedacht.

Das Naphtalin, OzgUz, ist ein in perlmutterglänzendcn Schuppen kry-stallisierender Bestandtheil namentlich des Steinkohlentheers, von eigenthümlichem,nicht unangenehmem Gerüche, welchen auch der Kienruß besitzt, da er etwas vondiesem Körper enthält. Das Kreosot, O^H«^, wird aus demjenigen Theiledes Steinkohlentheeröls erhalten, der zwischen 150» bis 200» C. überdestillirt;es ist eine ölartige, farblose Flüssigkeit mit schwach sauren Eigenschaften, daher auchPhenylsäure genannt, hat den durchdringenden Geruch des Rauchs, einenbrennenden Geschmack, hindert in hohem Grade die Fäulniß sowie die Gährungund ist giftig. Ein weiteres, im Theer enthaltenes Destillationsproduct ist dasParaffin, ein fester Kohlenwasserstoff (OH), weiß, krystallinisch und unverän-derlich durch die stärksten Säuren und Basen. Das Paraffin wird hauptsäch-lich durch die Destillation bituminöser Schiefer gewonnen und zur Kerzenfabri-kation verwendet.

Der Theer und das Theeröl aus Thierkörpern sind jedoch wegen ihresdurchdringend stinkenden Geruchs kaum einer Anwendung fähig.

Das Ammoniak und seine wichtigen Verbindungen, welche die Destillationder Thierkörper liefert, sind im §. 84 beschrieben worden. Die rohe dcstillirteFlüssigkeit, welche dasselbe enthält, wird unter dem Namen Hirschhorngeistin der Medicin angewendet.

Der Holzessig dient zur Darstellung von Essigsäure und essigsauren Sal-zen, namentlich des essigsauren Bleioxyds. Wegen seines eigenthümlichen Kreo-