der waren, das anzunehmen, was sie als brauchbar er»probten. So vertauschten sie ihre alte lateinische Rüstunggegen die Waffen der Samniter und Etrusker, und lern-ten von dem großen Sohne des Hamilkars die Ordnungder Märsche. Ihre Feldherren studirten die Kriegskunstihr ganzes Leben hindurch, ihre Feldherren waren Geschicht-schreiber, ihre Geschichtsschreiber Feldherren.
Zum warnenden Beispiel aber lehren die Jahrbücher,daß Völker, wenn sie aus ihren Schranken getreten, Er-oberer wurden, durch errungenen Ueberfluß in Weichlich-keit versanken, daß Kriegskunst und Vaterlandsliebe er-schlaffte, daß sie die Unterdrückten aufreitzten und Opferkräftigerer Nationen wurden! So auch die Römer. RauheVölkerstämme, von großer aber wilder Tapferkeit, zerstörtenendlich, nach vielfältigem Kampfe, dieses schon in sich-selbstdurch Vernachlässigung seiner Kriegskunst zusammengesun-kene Reich, in welchem der Bürger nicht mehr Krie-ger, der Krieger nicht mehr Bürger zu seyn ver-stand. Es verschwanden vom Schauplatze der Mitweltmit dem großen Reiche und seiner Kriegskunst auch an-dere seiner Wiffenschaftcn und Künste. Rohe Völkerstämmetummelten sich in ungeregelten Haufen auf den Trüm-mern des ehemaligen Weltreichs. Nur erst vier bis fünfJahrhunderte nach dessen Zerstörung zeigen sich wieder ge-ordnete Heerhaufen, aber noch ohne große Kunst, ohnestrenge Disziplin, Alles dem Zufalle wilder Tapferkeitüberlassend. Und noch eine Reihe Jahrhunderte hindurchwerden in dieser Gestalt Kriege, blutige Kriege geführt,in welchen sich das heutige Europa bildete, und mit demFeudalsystem die stehenden Heere erschuf.
Eine merkwürdige Erfindung, den Feind' vermögeeiner Mischung von Salpeter, Schwefel und Kohlen vonweiter Ferne anzugreifen, ihm Steine, späterhin Kugelnvon Blei und Eisen entgegen zu schleudern, bedurfte einelange Zeit, um allgemein zu werden. Beinahe drei Jahr-