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schien, in schnellen Märschen und durch seinen Feinden un»erwartete Bewegungen, der König stets da, wo man ihnam wenigsten erwartet hatte.
Preußens Heere hatten den großen Kampf siegreichausgekämpft, und die Augen von ganz Europa auf sich,auf ihre Taktik, auf die Kriegskunst des großen Königsgezogen. Alles ahmte preußische Taktik, preußische For-men nach. Preußische Exerzierverordnungen wurden ander Donau und Newa, wie an der Seine und dem Ebro,mehr oder minder zum Muster genommen, glücklicher oderunglücklicher ausgeführt; überall glaubte man die höchsteStufe der Kunst durch diese Nachahmung der Formzu erklimmen.
Vierundzwanzig Jahre nach dem denkwürdigen, klas-sisch bleibenden siebenjährigen Krieg lebt und regiert nochder große König. — Er kann den Weltgeist nicht fesseln,der, nie stille stehend, in einem ewigen Kreisläufe verän-dert scheinender Gestalten Jahrhunderte wie Jahrtau-sende schafft; doch des Königs gewaltiger Geisthielt die bisherige Formen bis an sein Ende zusammen.
Mit Friedrich endet zugleich eine von ihm erschaffenePeriode der europäischen Kriegskunst und Taktik, eineEpoche des Zeit- und Weltgeistes, und die höchste Stufeder auf das Feudalsystem gegründeten stehenden Heere.
Krieg ward in Europa während dieser vierundzwanzigJahre nicht mehr geführt, den Fcldzug von 1778 kannman eben so wenig wie die Türkenkriege der Russen undOestreichs in Anschlag bringen. Kaiser Joseph und Lascymachen keine Abschnitte in der Kunst.
Ohne die Details der Taktik am Ende dieser Periodenäher zu entwickeln, bemerken wir nur, daß in Preußen,wie anderwärts in Europa, die Elemente der Taktik miteiner Sorgsamkeit gelehrt, und mit einer Künstlichkeit ein-geübt wurden, wie sie vor dem Feinde nie angewandt,noch ausgeführt werden konnten. Der Genius des Kriegs