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Im Anfange des Krieges waren die Armeen in einertraurigen Verfassung, in einem fast aufgelösten Zustande.Die Infanterie und Kavallerie waren der meisten ihreralten Offiziere beraubt, deren größter Theil ausgewandertWar. Nur die Artillerie konnte noch als organisirte Waffegelten, und übertraf in ihren materiellen und personellen— man verzeihe diesen technischen Ausdruck! — Einrich-tungen alle europäische Artillerie. Indessen setzte die Ge-fahr des Vaterlandes, der Enthusiasmus für Freiheit dieGesammtkraft der Nation in Thätigkeit, schuf die Natio-nalgarden und mit derselben solche Armeen, welche denverbündeten Mächten an Zahl weit überlegen waren.
Die geübtesten Heere Europa's, von Feldherren ange-führt, welche iü der Schule Friedrichs gebildet waren,rückten in Frankreich ein. Welchen Antheil politische An-sichten in diesem ersten Feldzuge hatten, bleibe dahinge-stellt; am Ende ward diese Armee aus Frankreich zurück-gedrängt, und der Zweck des Feldzuges verfehlt. So fol-gen diesem ersten Feldzuge gegen die neue Republik nochmehrere, im Ganzen nicht minder glückliche, wenn aucheinzelne Perioden der neuen Republik den Untergang drohen.Wir sehen diese neugeschaffenen ungeübten Armeen von Feld-herren und Generalen angeführt, die früher zum Theilnicht Soldaten waren, ja deren Namen man nicht einmalkannte, am Ende des dritten Feldzuges als Sieger amRhein und in Brabant. Die Coalition ist getrennt!
Gleich einer Lawine anwachsend, werden die französi-schen Armeen immer furchtbarer; der Koloß wälzt sich infortwährendem Kampfe nach außen fort, während imInnern, Konstitution, Direktorium, Konsulat nach und nachumgestürzt werden, bis endlich ein glücklicher siegreicherFeldherr die Zügel der Regierung als Kaiser ergreift.
So währte der Kampf mit wenigen Zwischenräumenvon Ruhe immer fort, und bildete endlich unter Napo-leon einen Eroberungsdespptismus, welcher immer weiter